Wird Gibraltar ein zweites Monte Carlo? Der Minister für Tourismus, Serfaty, hat den Engländern einen Plan der Selbstverwaltung vorgelegt, wie man die Stadt am Affenfelsen innerhalb von fünfzehn Jahren zu einer Attraktion des internationalen Reiseverkehrs umgestalten könne.

Mehr als die Drohungen und Schikanen der Spanier hat die 24 000 Einwohner von Gibraltar in den letzten Wochen der Abzug eines britischen Aufklärungsgeschwaders getroffen, dem der Militärstützpunkt war bisher ihre Haupteinnahmequelle. Aus strategischen und finanziellen Gründen ist aber diese Basis für London nicht mehr so bedeutend. Die Einwohner haben sich jedoch so sehr an die britische Demokratie gewöhnt, daß sie unter keinen Umständen mit dem Franco-Regime tauschen möchten. London muß sich also etwas einfallen lassen, um auch künftig ihre Existenz zu sichern.

Noch in diesem Monat wollen Großbritannien und Spanien abermals über die Zukunft der Kronkolonie verhandeln. Seit dem Frühjahr liegen zwei Vorschläge auf dem Tisch:

  • Spanien wünscht die Rückkehr Gibraltars unter seine Souveränität und will dafür den Engländern weiterhin einen Militärstützpunkt gewähren und die britische Nationalität der jetzigen Bewohner, ihre Religionsfreiheit, ihr Heimatrecht und ihre Arbeitsplätze garantieren.
  • England will Gibraltar lediglich in eine britische Provinz umwandeln, für die dann statt eines Ministerpräsidenten eine Art Kreisverwaltung mit Kommunalparlament ausreichen würde. Spanien dürfte – zur Bekämpfung des Schmuggels und zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit – in der Stadt einen Generalbeauftragten unterhalten und Flugplatz und Hafen benutzen.

In London erwägt man neuerdings, für den Fall des Scheiterns der Gespräche, Gibraltar einen ähnlichen Status zu verleihen wie der Kanalinsel Jersey, die ein eigenes Parlament hat und Verteidigung und Außenpolitik London überläßt.