Der Bilanzreigen der Stahlindustrie wird in dieser Saison ausschließlich in Moll gespielt werden. Schon der Auftakt, den jetzt ein Aktionärbrief der Klöckner-Werke AG, Duisburg, gibt – als einziger Montankonzern schließt Klöckner zum 30. Juni ab –, läßt einiges befürchten. Das Geschäftsjahr 1965/66 habe einen Tiefpunkt in der Entwicklung der letzten 30 Jahre gebracht, heißt es denn auch vielsagend in dem Brief der Verwaltung, der einen ersten Blick hinter die Kulissen des schlechtesten Stahljahres nach Kriegsende gestattet.

Produktions- und Umsatzzahlen bleiben – zum Teil erheblich – hinter den Vorjahrszahlen zurück. Der Klöcknerumsatz, der im vergangenen Jahr stolz die 2 Milliarden überschritten hatte, rutschte um 7,9 Prozent auf 1,852 Milliarden Mark herunter. Dabei verringerte sich der Fremdumsatz der eisen- und stahlerzeugenden Werke des Konzerns sogar um 9 Prozent.

Das ist mehr als der Rückgang der Produktion erwarten ließ, ein handfestes Indiz dafür, daß die Erlöse nochmals weiter gesunken sind. Die Aktionäre werden schonend auf eine Dividendensenkung vorbereitet. Das Geschäftsjahr 1965/66 sei insgesamt nicht befriedigend gewesen – heißt es – und "wir können kein dem Vorjahr entsprechendes Ergebnis erwarten".

Vor Jahresfrist hatte Klöckner die Dividende von 10 auf 11 Prozent heraufgesetzt, und das geschah durchaus nicht ohne heftige Auseinandersetzungen in den Verwaltungsgremien des Unternehmens selbst. Immerhin aber war im Vorjahr damit eine ertragsgerechte Dividende ausgeschüttet worden. Nach dem jetzt beendeten Geschäftsjahr, das erstmals auch einen Belegschaftsrückgang von über 3000 auf 43 115 Mann brachte, sollte es über die Notwendigkeit der Dividendensenkung keine Diskussionen geben. nmn