Im Bonner Amtsjargon heißt die Sache "militärische Ausrüstungs- und Ausbildungshilfe". Bundesverteidigungsminister von Hassel nannte sie auf seine glücklos-zupackende Weise eine "Entwicklungshilfe besonderer Art". Am ehrlichsten aber wäre wohl die Bezeichnung "Altwaffenhandel der Bundesrepublik".

Dieser Handel ist eine heikle Angelegenheit; es hat dabei schon eine Reihe von Mißhelligkeiten gegeben. Ende Juni debattierte der Bundestag denn auch einen Antrag der SPD, keine Waffen- und Militärhilfe mehr außerhalb des NATO-Bündnisses zu leisten – vor allen Dingen nicht an afrikanische und asiatische Staaten. Die Regierungsparteien begegneten diesem Antrag damals mit Skepsis; er wurde an den Auswärtigen Ausschuß und den Verteidigungsausschuß überwiesen. Falls die Absicht bestanden haben sollte, ihm dort ein staubiges Aktenbegräbnis zu bereiten, so scheint es, daß die persische Panne, die inzwischen ruchbar geworden ist, diese Absicht vereiteln wird. Sie beweist nämlich, daß die bisherige Regelung – samt "Endverbleibklausel" und anderen Vorkehrungen – unzulänglich ist.

Die Geschichte liest sich wie eine Illustration zu Spenglers Theorie vom absinkenden Kulturgut. Da kaufte die Bundesluftwaffe im Jahre 1957 in Kanada 90 Kampfflugzeuge vom Typ F-86 (Sabre Jet). Jetzt verkaufte sie einen großen Posten davon zu Schleuderpreisen – 350 000 DM – an Persien weiter, mit kanadischem Einverständnis. Die Maschinen wurden von deutschen Piloten nach Iran geflogen. Was in Bonn niemand ahnte: Auf den persischen Flugfeldern warteten schon pakistanische Piloten, um die Flugzeuge zu übernehmen. Der indische Protest ließ angesichts der Spannungen zwischen Pakistan und Indien denn auch nicht lange auf sich warten.

Böser Wille war dabei in Bonn sicher nicht im Spiel – wir sind einfach düpiert worden (und der Bundeskanzler wird im Herbst, wenn er nach Delhi reist, all seine Beredsamkeit brauchen, um die Geschichte aus der Welt zu schaffen). Der Vorfall liefert indes ein Argument mehr zugunsten jener, die unsere alten Waffenbestände lieber verschrotten als verkaufen möchten – um derlei Reinfälle für die Zukunft auszuschließen.

Th. S.