Immer wieder liest man von den Riesensalären, die die amerikanischen Berufsspieler beziehen. Man hört, daß die beiden Baseball-Pitcher (Werfer) Koufax und Drysdale erst für 130 000 respektive 115 000 Dollar unterschrieben haben oder daß der junge College Quarterback, Joe Namath, vom New Yorker Footballclub "Jets" einen Dreijahresvertrag in der Höhe von 400 000 Dollar angeboten erhalten habe. Natürlich sind diese Beträge Spitzengehälter, aber es gibt im American Football, im Baseball und im Basketball doch ein gutes Dutzend Profis, deren Saisongehalt über der magischen 100 000-Dollar-Grenze liegt. Neben diesen Großverdienern erhalten mehrere, Dutzend Baseballer, Footballer, Basketballer und Eishockeyaner Jahresbeträge von 20 000 bis 50 000 Dollar. Der große Rest der in den insgesamt 57 Klubs spielenden Profis kommt auf Jahreseinkommen zwischen 8000 und 20 000 Dollar, was immer noch einiges über dem Durchschnitts verdienst eines Amerikaners liegt.

Diese imponierenden Summen, die von den Klubleitungen der 22 Football-, 20 Baseball-, 9 Basketball- und 6 Eishockeyklubs den Spielern bezahlt werden, wären nicht möglich ohne eine Beteiligung des Fernsehens, das jedes Jahr Millionenbeträge für die Übertragungsrechte bezahlt. Besonders im Baseball ist die TV von entscheidender Bedeutung. 1948, in der letzten Baseballsaison ohne Television, besuchten 20 920 842 Zuschauer die Spiele der damals 16 Klubs. Letztes Jahr waren es 21 280 341, also eine kaum auffallende Erhöhung von 1,7 Prozent. Natürlich hat das Fernsehen einen Einfluß auf diesen Stillstand, der bei der Bevölkerungsvermehrung einem Rückschritt gleichkommt. Es gibt bestimmt Tausende, die die 80 Heimspiele ihres Klubs lieber am Fernsehschirm verfolgen, als für 1 bis 4 Dollar eine Eintrittskarte zu kaufen. Aber dieser erwähnte Stillstand wäre auch ohne Baseball-Direktübertragungen eingetreten, denn die Jugend zieht es mehr und mehr zum attraktiveren Football – was natürlich keine Überraschung ist, vergleicht man die beiden Spiele nur einmal vom athletischen Aspekt aus.

Bei den erheblich gesteigerten Unkosten, wie Stadionmiete, Spielergehältern, Kosten für Funktionäre und Hilfspersonal sowie den gewaltigen Reisespesen – in jeder Saison müssen unzählige Flugkilometer absolviert werden – wären einige der stolzen Baseballklubs schon lange bankrott gegangen, hätten das nicht die Millionenbeträge des Fernsehens für Übertragungsrechte verhindert. Das heißt, die achtstellige Dollarsumme, die letztes Jahr vom Fernsehen an die 20 Klubs bezahlt worden ist, übertraf bei weitem den Betrag, der durch die TV-Übertragungen an der Abendkasse verlorengegangen ist. Im Falle Baseball ist also das Fernsehen der eigentliche Retter dieses traditionellen Volkssportes, der bis vor kurzem noch Nationalsport Nummer eins war.

Anders ist die Situation beim American Football. Dieses dem angelsächsischen Rugby verwandte Mannschaftsspiel hat in den letzten Jahren dem Baseball den Rang abgelaufen. Wenn auch ein direkter Vergleich fehlt, da die Football-Saison beginnt, wenn die Baseballer in die Ferien gehen, so steht doch außer Zweifel, daß Nationalsport Nummer eins heute der rassige, kampffreudige Football ist. Daß es dazu gekommen ist, verdankt der Football neben rein sportlich-athletischen Vorzügen vor allem dem Fernsehen. Die ebenfalls in die Millionen gehenden Verträge zwischen den beiden Footballverbänden auf der einen Seite und den drei großen Fernsehgesellschaften ABC, NBC und CBS auf der andern gaben den Klubmanagern genügend Mittel in die Hand, um die besten Collegespieler mit wahren Märchenverträgen anzulocken. Dieses Winken mit 300 000- bis 500 000-Dollar-Dreijahresverträgen und das darauffolgende Tauziehen zwischen den rivalisierenden Klubs um die besten Studenten ergab natürlich Publizität.

Zum Teil besuchten diese Neugierigen die Spiele selber und zahlten einen Durchschnittspreis von 6 Dollar (24 DM) für ein Eintrittsbillett. Andere verfolgten die Saison am Fernsehschirm. Die Fernsehgesellschaften, die durch Publikumsbefragungen jeglicher Art jederzeit genau im Bilde sind, welche Programme ziehen, fanden bald heraus, daß Football der bevorzugte TV-Sport ist – und prompt wurde beim nächsten Vertragsabschluß mit der Football-Association die Summe für die Fernsehrechte erhöht. Nächstes Jahr werden die CBS und die NBC 26 Millionen Dollar (104 Millionen DM) an die 22 Footballklubs für die regulären Meisterschaftsspiele bezahlen. Zusätzlich zahlt die CBS die runde Summe von 2 Millionen Dollar für das Recht, das Finale um den National-Football-League-Titel übertragen zu dürfen, was wohl der höchste Betrag ist, der jemals für ein eintägiges Sportereignis bezahlt worden ist. Zum Beweis für den stetigen Aufschwung des Footballs seien die Zahlen früherer Jahre angeführt: 1951 zahlte die CBS für das Endspiel 75 000 Dollar, 1956 waren es 200 000, 1961 bereits 615 000, 1964 1,8 Millionen und nun also 2 Millionen, was aber bestimmt nicht die oberste Grenze ist.

Auch Basketball wird regelmäßig im Fernsehen übertragen, obwohl hier die Beträge für die Übertragungsrechte erheblich geringer sind. Einmal, weil nur 9 Klubs an der Meisterschaft beteiligt sind und dann, weil Basketball (als Hallensport) mit Football und Baseball, wo zu jedem Spiel 50 000 beziehungsweise 30 000 Zuschauer kommen, mit durchschnittlich 10 000 Schaulustigen nicht konkurrieren kann.

Neben diesen drei "Ballgames" hofft nun auch der vierte Profimannschaftssport, Eishockey, ins Fernsehgeschäft einzusteigen. Bisher war die US-Television an Übertragungen nicht sehr interessiert gewesen, denn die 4 amerikanischen Profiklubs (mit lauter kanadischen Spielern) besaßen nur lokales Interesse in den Städten New York, Boston, Detroit und Chikago. Dagegen gehören in Kanada die Eishockeyspiele auf dem Fernsehschirm zu den beliebtesten Programmen. Es wird geschätzt, daß von den 20 Millionen Einwohnern Kanadas bis zu 8 Millionen die Heimspiele der beiden Klubs aus Toronto und Montreal verfolgen. Dieses Liebäugeln mit dem Millionengeschäft des US-Fernsehens war der Grund, daß die National Hockey League ihre Zahl kürzlich vermehrte und von der Saison 1967 an mit 12 Mannschaften spielen wird. Obwohl von all den Profis, die heute in den 6 Klubs spielen, nur gerade einer in den USA geboren wurde, werden alle sechs neuen Klubs in den Vereinigten Staaten zu Hause sein – eine eindeutige Konzession an das US-Fernsehen. Denn die Eishockeybegeisterung ist in Kanada weitaus größer als im südlichen Nachbarland, aber das kanadische Fernsehen kann nicht die Millionenbeträge bezahlen wie die Yankees. Und was sollen die amerikanischen TV-Sportfans mit einer Mannschaft aus Vancouver oder Quebec anfangen. Max E. Ammann