Im geometrischen Mittelpunkt der Münchener City, dort wo die Gebäudereihen des Maximilianplatzes und der Pacellistraße sich zu einer kräftigen Nase vereinigen, die auf den Lenbachplatz und weiter, hinüber zur Bayerischen Wertpapierbörse und zum Stachus, weist, haben drei Adressen ihren Sitz: die von Finck’sche Hauptverwaltung, die DSK-Bank Deutsche Spar- und Kreditbank AG und – als Klammer und bestimmendes Motiv – das Bankhaus Merck, Finck & Co.

Alles ist zugeschnitten auf einen Mann, der in diesem gewichtigen Imperium seit über vierzig Jahren wie ein absoluter Fürst herrscht: August von Finck.

Durch das Fenster seines Kontors blickt er auf die viele Jahre hindurch brüchige Fassade eines staatlichen Neubaus und mag sich dann um so selbstbewußter der Genugtuung hingeben, einen aus privater Initiative durch annähernd ein Jahrhundert immens solide gefügten Besitz zu regieren. Dieses Fincksche Reich ist immer von Senioren regiert worden, und zwar nur von zweien, die während der Zeit ihres Wirkens fast jahrzehntelang, gemessen an ihren Lebensjahren, eigentlich "Junioren" gewesen sind: Der Vater des heutigen Seniors, der das Haus begründet und ihm 54 Jahre hindurch, bis zu seinem Tode im Jahre 1924, vorgestanden hat, und der heutige Inhaber, dessen erkennbar besonderes Anliegen es war und ist, die bankgeschäftlichen Interessen des Hauses in verschiedenen Richtungen entschlossen weiterzuentwickeln.

Das kommt nicht von ungefähr. Merck, Finck & Co. ist heute wie je ein Privatbankhaus unverwechselbarer Prägung. Das heißt, es wird aus den Traditionen heraus geleitet, in denen das deutsche Privatbankwesen wurzelt: Im steten Bewußtsein, daß das persönliche Vermögen mehr

als die zufließenden Einlagen Grundlage des Geschäftes der Geldleihe zu sein hat und daß die Aufgabe des Bankiers, fremde Vermögen beratend und handelnd zu verwalten, nichts so notwendig braucht wie den Nachweis vollkommener Solidität im Umgang mit dem eigenen Vermögen.

Mit anderen Worten: Dieser Bankier hat sein Stammhaus vor allem als eine Vermögensholding übernommen, und es ist auch nicht sein Ehrgeiz geworden, auf diese Basis ein Kreditgeschäft zu türmen, dessen Umfang die bereitgestellten Eigenmittel um das, sagen wir, Zwanzigfache übertrifft. Die geschäftliche Politik handhabt dieses Prinzip mit solcher Entschlossenheit, daß selbst beim Einschuß von Garantiemitteln eine gewisse Zurückhaltung obwaltet – damit nicht die Risiken des Kreditgeschäfts, möge es nun bei einem höheren oder geringeren Vielfachen der Eigenmittel gesteuert werden, eine bestimmte überschaubare Größe überschreiten.

Hier ist es an der Zeit, die Finck’sche Hauptverwaltung zu umreißen. In ihr sind die ungewöhnlich ausgedehnten land- und forstwirtschaftlichen Interessen der Familie zusammengefaßt – ein Vermögenskomplex, den exakt zu bewerten nicht möglich ist. In mehreren Guts- und Forstverwaltungen wird mit Hilfe modernster technischer Mittel eine konsequente Veredelungswirtschaft betrieben, deren Produkte – beispielsweise Saatgut und Kartoffeln – die Grundlage weiterer Ertragssteigerung im Finckschen Vermögen sind. So liefern eigene Brennereien Alkohol an die Bundesmonopolverwaltung.