Die Ferien-Insel Sylt genießt man cliquenweise, Die einen Cliquen heißen Cliquen, fühlen sich als high society, haben dem Namen Kampen einen leichten haut-goût gegeben, treten am Strand und in den Dünen un-, im "Gogärtchen" und auf der "Tenne" korrekt (mit Leinenhose, Pullover, Schiffermütze) bekleidet auf, eignen sich leider für Reportagen.

Die anderen Cliquen heißen im Normalfall Familien; sie eignen sich gar nicht für Reportagen und sind doch die solide ökonomische Basis für die Insel Saison. Sie besitzen oder mieten Appartement-Wohnungen oder Häuser, von Hörnum bis List.

Dazwischen gibt es Sonderlinge, Einzel- wie Doppelgänger. Auch sie finden auf Sylt, das eine wunderbare Ferieninsel sein könnte und beinahe ist, allerlei Möglichkeiten, anders zu leben, als sie zu Hause leben (und ist nicht das der eigentliche Sinn eines Urlaubs?).

Eine der Möglichkeiten ist, oder wäre: zu Fuß einmal um die Insel herumzugehen. Ich habe das gerade mit Dörte (acht Jahre) gemacht und kann es nur empfehlen.

Die Sylter freilich scheinen sich nicht recht einig darüber zu sein, ob das nun empfehlenswert wäre oder nicht. Zwar empfiehlt auch Hubertus Jessel, ein Insel-Weiser, in seinem Büchlein "Wanderwege auf Sylt" diesen Insel-Rundgang – aber auf das, was dem fröhlichen Wandersmann im Wege steht, weist er nur verblümt oder gar nicht hin.

Beinahe unproblematisch ist die Strandseite, die Westküste.

Sechsmal gilt es da, "FKK" zu durchqueren (Hörnum, Rantum, Westerland, Wenningstedt, Kampen, List), und freie Nackte sieht man auch zwischendurch. Aber wer ob solchen Anblicks keine Wallungen empfindet, geht ungehemmt. Nur in Westerland (ein unseliger Ignorant behauptete das jüngst von Kampen, was natürlich nicht stimmt) hört sich der Wandersmann in einer Sprache, die der letzten Feinheiten entbehrt, aufgefordert, unter Unbekleideten auch selber der Bekleidung zu entraten.