Eine erschreckende Statistik über das amerikanische Fußballspiel

Von Adolf Metzner

Seit 1931 wird über alle Todesfälle beim American Football – einer etwas gewalttätigen Abart des Rugby – genau Buch geführt. Aber nicht nur die Zahlen werden festgehalten, sondern auch die genaueren Umstände, die zu den tödlichen Unfällen führten. Mit anderen Worten, es besteht eine wissenschaftliche Statistik. Die Gesamtzahl der Toten, die auf den Spielplätzen dieses amerikanischen Nationalsportes in den letzten 34 Jahren umkamen, ist einfach erschreckend. 633 junge Menschen ließen auf diesem seltsamen Feld der Ehre ihr Leben. Und die Ziffern steigen pro anno noch an. 1965 wurden allein 49 Todesfälle registriert.

Wie harmlos erscheint dagegen unser oft gelästerter Fußball. Erst kürzlich wollte ausgerechnet ein Hamburger Sportredakteur, der allerdings den Sport aus solcher Distanz betrachtet, daß er ihn nie getrieben hat, sogar alten Praktikern weismachen, dieser Fußball, wie er ihn in England gesehen, sei neben dem Hunger, die Weltbedrohung Nr. 2.

Wenn man die manchmal feindselige Atmosphäre und die Fouls der Argentinier und Uruguayer, die deren Ahnen 1928 in Amsterdam schon ebenso virtuos beherrschten, durch die aber niemand ernsthaft zu Schaden kam, in beinahe eschatologischen Angstträumen beschwört, mit welchen Höllenbildern à la Hieronymus Bosch müßte man erst das makabre Schauspiel beschreiben, das "American Football" heißt und eher einem Catch as Catch Can mit einem ovalen Ball ähnelt.

Bei diesen wilden Schlachten, wo sich die Kämpfer in Helmen und Schutzpolsterungen ins Getümmel stürzen, sich im Flug zu Fall bringen, sich verknäueln, daß die Fetzen fliegen und sich manchmal sogar das Genick brechen, könnte es einem schon eher angst und bange werden. Aber auch hier muß man mit dem kühlen Blick des Statistikers die Dinge sehen. Zu fragen ist zuerst, wieviel Personen überhaupt American Football spielen. Das sind fast 1,25 Millionen, weil der amerikanische Fußball nicht nur das Spiel der Studenten in den Colleges, sondern auch das Spiel der Schüler in den High Schools ist.

Prüft man die Todesursachen für 1965 genauer, so stellt sich heraus, daß nur etwa die Hälfte, nämlich 25 Fälle, auf Gewalteinwirkung beim Spiel selbst zurückzuführen ist. Die übrigen 24 tödlichen Zusammenbrüche traten als Folge von Herzfehlern, Infektionen oder Hitzschlägen auf. Man darf ja nicht vergessen, daß New York zum Beispiel beinahe auf dem gleichen Breitengrad wie Neapel liegt und der Süden der USA oft praktisch schon subtropisches Klima besitzt. In den Jahren 1964 und 1965 starben allein neun jugendliche Fußballspieler am Hitzschlag.