A ktien der Chemische Werke Hüls AG, Marl, sind in den letzten Monaten zu einer Art Wanderpreis geworden. Eben noch wollte sich die Veba-Tochter Hibernia als 50prozentiger Großaktionär der Hüls AG etablieren – nachdem sie eine erst zu Beginn des Jahres zusammengekaufte Hüls-Schachtel von der GBAG übernommen hatte –, und jetzt kommt die überraschende Mitteilung, daß sie ihren Hüls-Besitz mit der Farbenfabriken Bayer AG geteilt hat.

Daß die Hibernia die erst am 8. Juli von der GBAG übernommenen Hüls-Aktien nicht selber behalten wollte, war mindestens nicht von Anfang an geplant; denn als einer der Hauptbeteiligten an der Aral-AG war die Herner Veba-Tochter nicht zuletzt um den Preis der Hüls-Schachtel überhaupt erst bereit gewesen, der von Gelsenberg und Mobil Oil angestrebten Aral-Lösung zuzustimmen; Mit Recht war die GBAG vor einigen Monaten recht glücklich, den hartnäckigen Widerstand des Hibernia-Chefs Werner von Dewall gegen das Aral-Arrangement mit dem Hüls-Paket überwinden zu können. Abgesehen davon kam allerdings auch der – bisher weder bestätigte noch dementierte – Kaufpreis von 230 Millionen für nominell 65 (von 260) Millionen Mark Aktien dem finanziell stark strapazierten Essener Energiekonzern höchst gelegen. Die ganze Summe ist inzwischen bei Gelsenberg im Sack. "Wir machen nämlich nicht nur schlechte Geschäfte", hieß es zufrieden im Vorstand des Essener Zebras, das den "finanziellen Kraftakt" der Beteiligung an der sehr investitionsfreudigen Hüls-Chemie denn auch ziemlich leichten Herzens der Hibernia überließ.

Aber bei näherem Hinsehen kommt schließlich auch das Veba-Zebra nicht ohne den potenten Partner aus. Das gilt nicht einmal in erster Linie für den stattlichen Kaufpreis, der, wie im Revier angenommen wird, ohne Auf- oder Abschlag von Bayer in der gleichen Höhe zu zahlen ist, wie ihn die Hibernia bei der Gelsenkirchener Bergwerks-AG akzeptiert hat. Vor allem aber braucht die Hüls-Chemie für die Zukunft finanzstarke Aktionäre. Der Maßstab, der die Entwicklung der internationalen Chemie-Giganten bestimmt, gilt in zunehmendem Maße auch für Hüls.

Und deswegen wogen schließlich die Möglichkeiten einer vertieften Zusammenarbeit Hibernia-Hüls und Bayer schwerer als ein altes – noch kürzlich von dem Vorstandsvorsitzenden der GBAG, Hans Dütting, beschworenes – Gentlemen’s Agreement, wonach stets die Hälfte des Hüls-Kapitals im Ruhrbergbau verbleiben und nicht in die Hände der Großchemie gelangen sollte. In der Hüls-Verwaltung wird die neue Aktionärskonstellation uneingeschränkt begrüßt. Anders als mit den anderen Farben-Nachfolgern Hoechst und BASF bestehen zwischen Bayer und Hüls schon zahlreiche wechselseitige Lieferbeziehungen und eine enge Zusammenarbeit im Kautschukbereich. nmn