Störig: Wirtschaft – ein Entscheidungsbereich. Beitrag zur politischen Bildung. Verlag M. Diesterweg und Verlag R. Oldenbourg, München 1966; Schülerbuch, 147 Seiten, 6,20 DM; Lehrerheft, 404 Seiten, 17,25 DM.

Wir können nicht die höchste Leistung unserer Volkswirtschaft durch technischen Fortschritt und wirtschaftliche Dynamik verlangen – und zugleich Sicherheit für jeden Arbeitsplatz und für jeden Betrieb. Wir können nicht weltweiten Leistungswettbewerb der Industrien wollen – und zugleich jede industrielle Konzentration mißtrauisch erschweren oder verhindern. Wir können nicht den Export fördern – und zugleich die Wirtschaft gegen Einfuhr schützen. Wir können nicht staatliche Hilfe für alles und jeden verlangen – und zugleich niedrige Steuern. Wir können nicht immer höhere Nominaleinkommen haben ohne Rücksicht auf die Produktivitätsfortschritte – und zugleich stabile Preise." Diese Thesen sind dem Schlußkapitel eines neuen Schulbuches entnommen, das wirtschaftliche Themen im Rahmen der Gemeinschaftskunde in der Oberstufe der Gymnasien behandelt.

Wenigstens die angehenden Abiturienten sollen also jetzt endlich mit den Grundzügen der wirtschaftlichen Zusammenhänge vertraut gemacht werden. Sie sollen nicht mehr die Reife fürs Leben erlangt haben, ohne daß ihnen die Schule wenigstens Anfangskenntnisse aus dem Bereich vermittelt, der in ihrem Alltagsleben de entscheidende Rolle spielt. Aber das Buch ist nicht nur für Schüler, sondern auch für die Erwachsenenbildung geeignet. Der Fachmann wird hin und wieder verwundert sein, wie rasch über wichtige Probleme hinweggegangen wird. So ist unter anderem das Thema Geldmarkt, Kapitalmarkt und Börse nur am Rande behandelt worden. Aber solche Schwächen sind bei dem verhältnismäßig geringen Umfang unvermeidlich. Immerhin werden in dem weit umfangreicheren Lehrerhandbuch die Grundkenntnisse vermittelt. Beide Bände verraten viel Geschick in der Art, wie die etwas spröde Materie an Lehrer wie Schüler herangebracht wird, auch wenn sie da, wo man allzuviel Wissen auf wenig Seiten vermitteln wollte, oft etwas zu hohe Ansprüche an das Verständnis der Schüler stellen. ks