In Genf drängen die Amerikaner die Europäer, im Rahmen der Kennedy-Runde einer allgemeinen Halbierung der Zollsätze zuzustimmen. Durch ihren Abbau soll der Welthandel gefördert und damit der Wohlstand der Völker gesteigert werden. Aber der freie Warenaustausch kann durch Verwaltungsvorschriften und den Erlaß unerfüllbarer technischer Normen viel stärker behindert werden als durch mäßige Zölle.

Durch eine verschärfte Auslegung der buyamerican-Bestimmungen hat beispielsweise das amerikanische Landwirtschaftsministerium ebenso wie das Pentagon jetzt seine Beschaffungsstellen angewiesen, nur noch amerikanische Güter zu kaufen. Eine Ausnahme soll nur dann gemacht werden, wenn ihr Preis um mehr als 50 Prozent über dem Angebot ausländischer Hersteller liegt.

Der Grund für solche diskriminierenden Maßnahmen ist das ständige Defizit der amerikanischen Zahlungsbilanz. Trotz hoher Überschüsse im Außenhandel haben die Kosten des militärischen Engagements der USA in Übersee und vor allem die Milliardeninvestitionen der amerikanischen Industrie im Ausland zu einem starken Dollarabfluß geführt. Es ist verständlich, daß die USA hier nach Abhilfe suchen. Maßnahmen aber, die ihre Handelspartner so einseitig benachteiligen, könnten den Verdacht aufkommen lassen, daß sie sich auch in Genf nur die europäischen Märkte öffnen wollen, ohne zu echten Gegenleistungen bereit zu sein. An einer solchen Ausweitung des Welthandels kann den Europäern jedoch kaum gelegen sein. mj