Von Cornelia Jacobsen

Mehrere Jahre hindurch stand die Berliner Film- und Fernsehakademie schwach konturiert, nichtsdestoweniger aber heftig und häufig diskutiert, am Kulturhorizont der Stadt. Mit der Zeit glaubte kaum jemand mehr so recht daran, daß den zahlreichen Plänen einmal Taten folgen könnten, und nicht wenige verloren wohl auch das Interesse. Erstaunt nahm man dann im Februar von der Gründung der Akademie Kenntnis.

Am 15. September nun beginnt für die ersten 35 Schüler der Unterricht im 5. Stock des Deutschlandhauses am Theodor-Heuss-Platz, dem Fernsehhaus des Senders Freies Berlin, wo die Akademie vorläufig auf 567 qm Raum untergebracht ist. Senatsdirektor Ingensand, Vorsitzender des aufsichtsführenden Kuratoriums der Akademie, begründete die ungewöhnlich lange Anlaufzeit: "Es sollte keine Weiche falsch gestellt werden."

Wie sieht die Weichenstellung jetzt aus?

Da ist zunächst das sehr kleine feste Team. Die meiden Direktoren der Akademie: der dreiundvierzigjährige Erwin Leiser (Regisseur der Filme "Mein Kampf" und "Eichmann und das Dritte Reich"), verantwortlich für die künstlerischpraktische Arbeit, und der zweiundvierzigjährige Heinz Rathsack, verantwortlich für den wissenschaftlichen Bereich.

Im Zeitalter des Proporz ist diese Doppelbesetzung des Direktorenpostens aber nicht nur aus pädagogischen oder künstlerischen Erwägungen beschlossen worden, sondern weil niemand zu finden war, der sowohl den Berliner als auch den Bonner Vorstellungen entsprach.

Einen festen Dozentenvertrag haben Ulrich Gregor, der den theoretischen Unterricht geben wird, und Peter Lilienthal, der die Schüler sozusagen in medias res führen soll. Ein Hauptfach ist immer noch nicht besetzt, nämlich das Fach "Kamera". Die Schwierigkeiten, einen Dozenten für dieses Gebiet zu finden, hatte man offenbar unterschätzt. Gute freie Kameramänner sind viel unterwegs, außerdem verdienen sie ausgezeichnet: Die Tageshonorare liegen bei 200 DM und darüber. Wer mag sich da an die Berliner Akademie binden? Idealismus, wie ihn Lilienthal tut, ist rar: "Das Geld lockt mich nicht, im Gegenteil, das Monatssalär ist eher miserabel – aber ich will einfach hübsche Filme sehen." Bis jemand für das Fach "Kamera" gefunden ist, werden die Gastdozenten Gerard Vandenberg ("Ein Ausländer – typisch", wie prompt einige Meckerer bemerkten) und Jan Thilo Haux mit den angehenden Kameramännern arbeiten. Mit dem Bekanntgeben der Namen anderer Gastdozenten ist man bei der Akademie noch zurückhaltend, weil hier noch manches nicht über das Verhandlungsstadium hinausgekommen ist. Fest steht aber schon, daß Pasolini kommen wird, die Regisseure Jiri Weiss und Carlos Saura, sowie Wolfgang Staudte und Rainer Erler.