"Ich gebe nicht auf", wetterte Sommerurlauber Ludwig Erhard am Tegernsee, als ihn "Welt"-Korrespondent Graf Finckenstein auf die Bonner Führungskrise ansprach. Nur mit dem konstruktiven Mißtrauensvotum könne er aus dem Amt entfernt werden (eine Vorrichtung im Grundgesetz, die den Kanzlersturz erheblich erschwert, da die Parteien sofort einen Nachfolger präsentieren müßten).

Viele Politiker und Journalisten in Bonn halten indes nach einem neuen Kanzler Ausschau; Konrad Adenauer hat seinen einstigen Widersacher Eugen Gerstenmaier auf den Schild gehoben. Der Bundestagspräsident selber ließ durchblicken, daß ihm zumindest eine Regierungsumbildung erwünscht wäre, die Erhard schon seit Wochen vor sich herschiebt.

Aber der Kanzler will nicht unter Zwang handeln. Wenn er sich zur Kabinettsreform entschließt, würde er, so ließ er durchblicken, nicht nur – wie Wilson – einige Minister ihre Plätze tauschen lassen, sondern auch ein paar Posten einsparen. Die Gerüchte wollen nicht verstummen, daß Kanzleiminister Ludger Westrick und der vom Starfighter-Pech verfolgte Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel über die Klinge springen müssen. ("Bild" nach der Absetzung des Luftwaffeninspekteurs General Panitzki: "Und der Minister?")

Ehe der Kanzler diese Woche vom Tegernsee in den Bonner Hexenkessel zurückkehrte, empfing er Außenminister Gerhard Schröder, zu dem sein Verhältnis in letzter Zeit etwas abgekühlt war, und den CSU-Vorsitzenden Franz Joseph Strauß, der ihm jüngst eine volkswirtschaftliche Fleißarbeit ins Haus geschickt hatte.

Trotz allen heimlichen oder unverhohlenen Palavers über die "Führungslosigkeit", trotz des schleichenden Unbehagens über die wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik begannen sich kurz vor der Präsidiumssitzung der CDU die Reihen um Erhard wieder zu schließen. Kampfeslustig will der Kanzler den Gegnern seine Brust darbieten: "Es soll erst mal einer kommen, der es besser macht als ich!"