Hermann Kunst (Herausgeber): Für Freiheit und Recht. Eugen Gerstenmaier zum sechzigsten Geburtstag; Evangelisches Verlagswerk, Stuttgart; 146 Seiten, 12,– DM

Einige deutsche Staatsbürger von Rang haben sich zusammengetan, um den Geburtstag des Bundestagspräsidenten in einer kleinen Schrift zu feiern. Bischof Hermann Kunst schreibt das Grußwort. Er schildert den gläubigen Christen und den Theologen Gerstenmaier. Konrad Adenauer erzählt mit herzlicher Wärme von seinen Begegnungen mit Gerstenmaier; man möchte gern wissen, ob die Lektüre den Jubilar mehr gerührt oder mehr erheitert hat. Ludwig Erhard beschreibt anziehend den vorbildlichen Politiker, der die Macht des Geistes erkennt und geistvoll genug ist, mit der Macht umzugehen.

Carlo Schmid untersucht die Einflüsse, die auf Gerstenmaier wie auf viele bedeutende Politiker die Idee der humanistischen Bildung ausgeübt hat. Thomas Dehler, bewußter Franke, sieht auch in Gerstenmaier die Kraft des Stammes wirksam und preist diese Kraft, wie immer schwungvoll, belesen, anregend.

Bischof Otto Dibelius sieht in der Liebe zum Vaterland eine Sache des Gemüts, des Willens und des Dankes für das große Geschenk unseres Gottes. Wie es sich bei einem Manne wie Gerstenmaier gebührt, kommt in dem Buch noch ein dritter Theologe zu Wort. Helmut Thielicke reflektiert über das Wesen der Macht und der Autorität; seine Darstellung gipfelt in dem Satz, aus der Polarität von Macht und Liebe rage die Gestalt Christi heraus, weil in ihr Macht und Liebe zur Einheit wurden.

Fabian von Schlabrendorff entfernt sich nur scheinbar geographisch weit von Gerstenmaier, indem er sich dem Preußentum zuwendet. Die Beziehung zum Jubilar ist schnell hergestellt: er untersucht nämlich den Anteil des Preußentums am Widerstand. Wenn er an eine große Tradition anknüpfen und doch die seit 1917 wirksamen sozialen Ideen respektieren will, so ist das wohl ganz gerstenmaierisch gedacht. Klaus Mehnert berichtet eindringlich und fesselnd aus der Frühzeit des Evangelischen Hilfswerks. H. H.