Von Dieter Beumer

Man dürfte erwarten, daß die Vorsitzende eines pädagogischen Berufsverbandes, der Schuldezernent eines Generalvikariats und ein Pastor mit der Problematik der christlichen Schule nicht nur am Rande vertraut sind. Darum überraschen die drei Stellungnahmen etwas. Wetterlings rhetorische Frage wird entweder wie eine echte Frage aufgefaßt (von E. Mleinek) oder wie eine überflüssige (so von Homeyer und Stammler). In schöner Einhelligkeit wird verkündet: Der Lehrer muß nicht...

Hier sei zunächst auf einige kulturpolitische Gegebenheiten in den meisten Bundesländern hingewiesen, mit denen ein Lehrer heute rechnen muß, auch, wenn diese Gegebenheiten vom "ganzen und eigentlichen Horizont" eines Schuldezernenten nicht umfaßt werden:

In Stadt und Land sind die Konfessionsschulen die Regel. Der prozentuale Anteil der Gemeinschaftsschulen an der Zahl der Volksschulen ist noch weit geringer als die Zahl der simultanen pädagogischen Hochschulen gegenüber den konfessionellen.

Wer also beispielsweise in Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg Volksschullehrer werden will, muß damit rechnen, nach seiner ersten Lehrerprüfung an eine Bekenntnisschule zu kommen. Dort muß er Kinder "im Geiste ihres Bekenntnisses erziehen und unterrichten" (Artikel 12 der Verfassung von NRW). (Die Wahrscheinlichkeit, in einem Schulbezirk eingesetzt zu werden, in dem es eine Gemeinschaftsschule gibt, ist gering.)

Ist der Lehramtsanwärter dazu nicht bereit, dann "kann ihn weder eine Schulbehörde noch eine Kirchenleitung zu einer solchen Heuchelei verurteilen". Diesem Satz von Eberhard Stammler kann nicht widersprochen, aber es muß etwas hinzugefügt werden.

Die Vorsitzende des Vereins katholischer Lehrerinnen hat es trefflich ausgedrückt: "Schließlich gehört es zur inneren Sauberkeit, den Anforderungen des Berufes zu genügen oder sich ein anderes Arbeitsgebiet zu suchen." Gegenüber zukünftigen Pädagogik-Studenten ist dies erfreulich offen. Gegenüber Lehrern, die sich nach einigen Berufsjahren außerstande sehen, im Geiste des evangelischen oder katholischen Bekenntnisses zu erziehen, ist es nur noch offen; erfreulich vermag man es mit dem besten Willen nicht zu nennen. Frau Mleineks euphemistischer Hinweis auf ein anderes Arbeitsgebiet ist nichts anderes als der Rat an die betroffenen Kollegen, künftig als Lehrmittelvertreter über Land zu ziehen.