Die Neigung, das auszubauen, was in der Ära Schröder durch Errichtung von vier Handelsmissionen in Osteuropa entstanden ist, spürt man in Bonn allenthalben. Sowohl bei der Opposition, deren Abgeordnete Helmut Schmidt und Hans Jürgen Wischnewski in Osteuropa unterwegs waren, wie sogar bei der CSU. Zwei Bayern bereisten den Balkan, der Abgeordnete Althammer und der bayerische Wirtschaftsminister Schedl, der in Bukarest für Bundesminister Schmücker, welcher Anfang September Rumänien besuchen wird, das Terrain sondierte.

Gerade das Beispiel Rumäniens sollte jedoch vor der Illusion warnen, der leichteste Weg sei immer der beste. Zweifellos hat Bonn in Bukarest am meisten Boden gewinnen können; ein Vergleich mit der Lage der anderen drei Handelsvertretungen zeigt dies sehr deutlich. Unter ihrem neuen Chef, Botschaftsrat Erich Strätling (bisher Washington), wird sich die Bukarester Mission gewiß weiter entfalten, wenngleich auch ihr unüberschreitbare Grenzen – politisch und konsularisch – gezogen sind.

Aber die eigentliche Ursache des günstigeren rumänischen Klimas ist nicht die besondere Sympathie der Rumänen für die Deutschen und schon gar nicht ein "liberaler" Kommunismus, sondern der wachsende Nationalismus der rumänischen Politik. So sehr dieser die Auflockerung des Ostblocks gefördert hat, so fragwürdig wird seine Wirkung auf lange Sicht für die Lage im Balkan sein.

Können wir ein Interesse an einer "Re-Balkanisierung" Südosteuropas haben? Und was die innere Lage jener Länder angeht: War Nationalismus je liberal? Die Rumänen spüren seit dem Tode von Gheorghiu-Dje mehr und mehr, daß außenpolitischer Spielraum und innere Lockerung keineswegs einander bedingen.

Ein Blick auf Bulgarien erschließt – trotz der starken Bindung des Landes an die Sowjetunion – sehr viel freundlichere, wenn auch weniger spektakuläre Aussichten. Dort kann eine unbefangene und unauffällige deutsche Diplomatie auf viel Verständnis treffen, wenn sie im Formellen nicht die Grenzen überschreitet, die sie sich schließlich selbst – durch den Status der Mission – gesetzt hat.

Dasselbe gilt für Ungarn, wo freilich die Rücksichtnahme auf die östlichen und nördlichen kommunistischen Nachbarn mehr insGewicht fällt als in Bulgarien. In Budapester Regierungskreisen hatte man stärker noch als anderswo auf volle diplomatische Beziehungen gehofft und ist nun um so enttäuschter und bitterer geworden, je länger man sich mit der Halbheit der Handelsmission hingehalten fühlt.

Vielleicht hat gerade dieses Beispiel die Tschechoslowakei bewogen, sich schon gar nicht mehr auf die Errichtung einer solchen Vertretung einzulassen – zumal ihr Handels- und Touristenverkehr mit uns nicht schlechter floriert als der der Ungarn, Rumänen und Bulgaren.