Es sei "sein Verdienst und seine Größe, den Expressionismus in das rein Menschliche sublimiert zu haben". Der Satz ist auf Erich Heckel gemünzt und so fragwürdig wie alle Versuche, ein Lebenswerk auf eine Kurzformel zu, bringen.

Die Monographie, die Paul Vogt dem heute dreiundachtzigjährigen Heckel gewidmet hat, halte ich trotz dieser verunglückten Formulierung für ein hervorragendes und nützliches Buch, weil sie in sehr sorgfältigen und gewissenhaften Einzeluntersuchungen auf alle. Phasen eines sechzigjährigen Schaffens eingeht, vor allem auch und mit besonderem Nachdruck auf die in der bisherigen Literatur unterschätzte Nach-"Brücke" – Zeit. Das gut gewählte und reiche Bildmaterial stützt die These des Autors, daß hier von keinem gewaltsamen Stilbruch die Rede sein kann.

Paul Vogt, der Direktor des Museums Folkwang, hat die Arbeit an der Heckel-Monographie als Erbe von seinem Vorgänger Heinz Köhn übernommen. Der sehr enge persönliche Kontakt zu Heckel hat den kritischen Abstand zwar verringert (den Monographen ohnehin nicht einzuhalten pflegen), dafür aber wichtige Tatsachen ans Licht gebracht und viele umstrittene Einzelfragen geklärt. Etwa die Frage, ob und wieweit Münch die "Brücke" beeinflußt habe. Heckel erklärt kategorisch, daß er und seine Freunde Münch in den entscheidenden Jahren zwischen 1904 und 1908 nicht gekannt haben. Auch eine beiläufige Feststellung finde ich interessant und sympathisch, daß nämlich der junge Heckel Vermeers "Kupplerin" in der Dresdner Galerie "für die Vollkommenheit der Malerei schlechthin" gehalten habe. Sie widerlegt eindrucksvoll die oft geäußerte Ansicht, die jungen "Brücke" – Maler hätten die alten Meister teils ignoriert, teils verachtet, die Altdeutschen ausgenommen.

Von größtem wissenschaftlichen Wert ist der Oeuvre-Katalog, in dem chronologisch alle erhaltenen Gemälde und ein Teil der zerstörten Bilder beschrieben und in 750 Abbildungen im Kleinformat wiedergegeben sind. (Paul Vogt: "Erich Heckel"; Verlag Aurel Bongers, Recklinghausen; 325 Seiten mit 28 Farbtafeln, 109 Schwarzweiß-Abbildungen und einem Oeuvre-Katalog, 88 DM.) Gottfried Sello