Die Schwierigkeiten mit dem deutschen Hospitalschiff für Vietnam, der "Helgoland", haben vorwiegend mit dem Ankunftsdatum zu tun. Als sich unsere Regierung entschloß, Südvietnam nicht nur mit guten Worten, sondern auch mit guten Werken unter die Arme zu greifen, tat sie das auch, damit uns die Amerikaner nicht länger Passivität vorwerfen können und zur Strafe dafür Kaiserslautern durch den Abzug eines weiteren Bataillons völlig entblößen. Die "Helgoland" sollte also sozusagen ein Trostpflaster sein.

Ihre Entsendung beschwor allerdings auch die Gefahr herauf, in den asiatischen Krieg verwickelt zu werden und Ärger mit den Sowjets zu bekommen. Darum hätten es manche gern gesehen, wenn die "Helgoland" allenfalls bis Helgoland gekommen wäre, um dort kranken Vietnamesen auf der Durchreise zur Verfügung zu stehen.

Als es schließlich soweit war, daß man die "Helgoland" für den Einsatz in Saigon umbauen lassen wollte, traf von dort die erfreuliche Nachricht ein, das Schiff könne gar nicht ankern, der Hafen sei restlos überfüllt. Diese Meldung wirkte auf alle Beteiligten so lähmend, daß sich die "Helgoland" entgegen den ursprünglichen Absichten erst zwei Monate später auf den Weg in die asiatischen Gewässer machen konnte, wo man doch noch ein Ankerplätzchen für sie fand, das hoffentlich nicht gerade belegt ist, wenn das Schiff anlegen will.

Die "Helgoland" könnte es sich noch zwei weitere Monate im Kieler Hafen bequem machen – hätte sich ihre Abfahrt nur um einen Tag verzögert. An dem kam nämlich Ministerialdirigent Kirchner aus Saigon zurück und erklärte: "Für Saigon hat das deutsche Hospitalschiff keinen Nutzen; man braucht dort Provinzhospitäler." Dieser Hinweis kam zwar spät, aber nicht zu spät. Denn die "Helgoland" war zwar abgefahren – aber noch lange nicht in Saigon angekommen. Und soll sie vorerst auch gar nicht, wenn es nach den Wünschen unseres dortigen Botschafters geht. Jedenfalls nicht, wie vorgesehen, am 8. September. Weil dort am 11. Wahlen sind und sie vor dem 11. zwar schon segensreich wirken könnte, publizistisch gesehen aber im Trubel des Wahlkampfes untergehen würde. Vielleicht sollte sie zweimal ankommen: am 8. und dann wieder nach dem 11.

Während man sich die Bummelfahrt der "Helgoland" gut vorstellen kann, fällt es schon schwerer, sich auszumalen, wie sie wenigstens nach dem 11. September einiges Interesse erwecken will – vorausgesetzt, es gelingt unserer Saigoner Botschaft nicht, einen leichtverwundeten vietnamesischen General bereitzuhalten, an dem deutsche Chirurgen einen spektakulären Eingriff vornehmen könnten. Hoffentlich hat man nicht versäumt, wenigstens Skalpell, Tupfer und Klammern als "Gift from Germany kenntlich zu machen.

Ob uns das was hilft? Ich bin da etwas skeptisch. Wenn es nicht der Wahlkampf ist, der die Vietnamesen vom Eintreffen unseres Schiffes ablenkt, dann sind es vielleicht andere Dinge – vielleicht der Krieg überhaupt. Darum wäre es wohl überhaupt besser, die "Helgoland" gäbe es vorerst nur als Wille und Vorstellung.