DIE ZEIT

Ulbricht - unzensiert

Das Landgericht lehnte den Antrag der Staatsanwaltschaft ab, Druckschriften mit dem Text einer Ulbricht-Rede (es ging darin um den Redneraustausch) zu beschlagnahmen.

Gurks saure Zeit

Der Stuttgarter Landtagspräsident Gurk ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil er den drei Parteien die August-Rate für politische Bildungsarbeit noch nach dem Juli-Spruch des Bundesverfassungsgerichtes hat anweisen lassen.

Steigbügelhalter der Gewalttätigen?

Die Angriffe auf Präsident Johnson wegen seiner Vietnam-Politik werden immer heftiger. Vor allem auf der Linken – aber auch auf der Rechten.

Nach Hassels Scheitern

Der Generalinspekteur der Bundeswehr und der Inspekteur der Luftwaffe – die Generäle Trettner und Panitzki – haben durch ihren Protest gegen den Bundesverteidigungsminister eine Lawine ins Rollen gebracht.

Erhard kämpft

Heiße Tage stehen dem Kanzler an diesem Wochenende bevor – zunächst im Kabinett und gleich anschließend im Präsidium der CDU.

ZEITSPIEGEL

Chinas große Kultur-Revolution ist jetzt bis unten durchgesickert. Gruppen von Halbwüchsigen zogen durch Pekings Straßen und verschafften Maos revolutionären Forderungen Geltung: Sie drangen in Läden ein und wüteten gegen den Verkauf von Waren westlichen Ursprungs, sie verboten den Friseuren, ihre Kunden im Hongkong-Stil zu frisieren, und forderten in Restaurants, das Essen müsse billiger werden.

Marienfelde – fünf Jahre danach

So sehr sich der politische Alltag dieser Stadt verändert hat, das Flüchtlingslager in Berlin-Marienfelde gibt es immer noch.

Demokrat – auf kongolesische Art

Es war der Pfingstsonntag 1966 am Kongo. Schon seit einem Monat trafen sich die Verschwörer, vier ehemalige Minister, in der Villa des Oberstleutnants Bangala zu geheimen Beratungen.

"Stalins Rache" piekt im Hals

Elf französische Journalisten reisten auf Einladung des Ostberliner Informationsministeriums zehn Tage lang durch die DDR. Sie sprachen in Eisenhüttenstadt mit Arbeitern, in Dresden mit Kunststudenten, in Warnemünde mit Urlaubern.

Anatomie eines Rufmords

Das letzte Opfer einer stattlichen "Bild"-Strecke heißt Dieter Hallervorden, Chef des Kabaretts "Die Wühlmäuse". Sein Pech: Er fuhr ein rotes Auto wie sein Vorgänger am Galgen der "Bild"-Schlagzeilen: Waldemar Wohlfahrt.

Das asiatische Gleichgewicht

Der amerikanischen Regierung liegen neue Berichte und Beobachtungen vor, denen sich entnehmen läßt, daß der Aufbau einer Atom- und Raketenmacht in der chinesischen Volksrepublik schneller als erwartet voranschreitet.

Reise in die Vergangenheit

Dschibuti, der französische Hafen am Roten Meer, ist die erste Etappe der bisher weitesten Reise des französischen Staatspräsidenten.

Korrigierte CSU

Drei Monate vor den bayerischen Landtagswahlen hat der Verfassungsgerichtshof in München jenes Wahlgesetz für verfassungswidrig erklärt, nach dem eigentlich am 20.

Damals, in Boryslaw

Der Prozeßsaal, altertümlich und von drohender Würde, läßt keine Sentimentalität zu. Die beiden Zeugen, nüchtern und um korrekte Aussagen bemüht, nehmen nur wenig Notiz voneinander.

Ehrenloge für den Bundeskanzler

Bundeskanzler Ludwig Erhard, dem es bis jetzt trotz freundlichen Winkens nach Osten nicht gelungen ist, Partei- und Staatschef der Sowjetunion nach Bonn zu bekommen, und der auch nicht eingeladen wird, hat nun doch einen Weg gefunden, seine Zuneigung zum russischen Volk öffentlich zu dokumentieren.

Im Schlafgemach

Bayerns Ministerpräsident macht’s möglich. Alfons Goppel "verlängerte", wie es im Beamtenjargon heißt, seinen Protokollchef.

Lyrik vom Laster

Droben, auf der Ladefläche des Lastwagenanhängers, stand das Michael-Naura-Jazzquartett. Sein Cool-Jazz sollte untermalen und unterbrechen, was Peter Rühmkorf von seiner Lyrik und Prosa den Zuhörern auf dem Adolfsplatz vortragen wollte.

James Bond und Hitlergruß

Halb war es Gaudi, halb Tribunal. Der fast vergessene "Kongreßausschuß zur Bekämpfung unamerikanischer Umtriebe" veranstaltete ein Hearing, um ein Gesetz zu propagieren, das jene Amerikaner, die Blut und Geld für Nordvietnam spenden, Stellungsbefehle verbrennen oder den Nachschub für die US-Truppen stören, mit 80 000 Mark Strafe und 20 Jahren Haft bedroht.

Erhard stellt sich zum Kampf

"Ich gebe nicht auf", wetterte Sommerurlauber Ludwig Erhard am Tegernsee, als ihn "Welt"-Korrespondent Graf Finckenstein auf die Bonner Führungskrise ansprach.

Namen der Woche

Milovan Djilas, einst jugoslawischer Vizepräsident, Freund Titos und politischer Schriftsteller (Die neue Klasse) hat im Gefängnis eine 300-Seiten-Novelle (Die verlorenen Schlachten) vollendet und John Miltons "Paradise Lost" ins Serbo-Kroatische übersetzt.

In memoriam Hans Zehrer

In seiner Heimatstadt Berlin ist in der Nacht zum Mittwoch der Chefredakteur der "Welt", Hans Zehrer, gestorben. Zehrer, Jahrgang 1899, war einer der führenden deutschen Journalisten.

Block von Bogota: Demokraten unter sich

Lyndon Johnson konnte einen Triumph feiern: Fünf Jahre nach ihrer Gründung hat die von Kennedy inspirierte "Allianz für den Fortschritt" ihr Minimalziel – eine Erhöhung des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens in Lateinamerika um 2,5 Prozent – sogar noch überschritten.

Kairo gibt den Jemen nicht frei

Ein Jahr nach dem Frieden von Dschidda, der kaum länger als drei Monate vorhielt, haben Vertreter Präsident Nassers und König Feisals in Kuweit einen neuen Friedensplan für den Jemen entworfen.

Von ZEIT zu ZEIT

Zwei führende Generale der Bundeswehr reichten ihren Abschied ein: Generalinspekteur Heinz Trettner überwarf sich mit dem Bundesverfeidigungsmini- ster wegen des Gewerkschaftserlasses für die Bundeswehr, Luftwaffeninspekteur Werner Panitzki wurde wegen einer öffentlichen Kritik an der politischen Führung beurlaubt.

Krieg um Sukarno?

Eine Million Menschen sollen seit dem mißglückten kommunistischen Putsch in Indonesien, im letzten Herbst von fanatischen Moslems und der Armee abgeschlachtet worden sein.

Das Land erobert die Stadt

"Sich auf die Bauern verlassen, Stützpunkte auf dem Lande errichten, die Städte durch die Dörfer einkreisen und schließlich die Städte erobern: das war der Weg zum Sieg, den die chinesische Revolution einschlug.

Gretchenfrage 1966

Wer darüber hinaus fragt, in welchen Altersgruppen der deutschen Gesellschaft das Christentum besonders fest verankert ist, stößt wohl auf die Generation der heute Sechzehn- bis Dreiundzwanzigjährigen: diejenigen also, die in ihrer überwiegenden Mehrheit christliche Staatsschulen besucht haben, wie sie nach dem Kriege in allen deutschen Ländern eingerichtet worden sind.

Muß ein Lehrer Christ sein?

Professor Horst Wetterling stellte die Frage in der ZEIT Nr. 31. Inder ZEIT Nr. 33 antworteten darauf Elisabeth Mleinek, Vorsitzende des Vereins katholischer Lehrerinnen, Josef Homeyer, Schuldezernent im Generalvikariat Münster, und Eberhard Stammler, evangelischer Pastor.

Gezielte Propaganda

Man dürfte erwarten, daß die Vorsitzende eines pädagogischen Berufsverbandes, der Schuldezernent eines Generalvikariats und ein Pastor mit der Problematik der christlichen Schule nicht nur am Rande vertraut sind.

Lydia Schierning empfiehlt Schallplatten

Nicht viele der heute so zahlreichen Kammerorchester lohnen der Beachtung; doch "I Solisti Veneti" verdienen alles Lob. Sie spielen die Konzerte des ungeheuer produktiven Komponisten Vivaldi nicht nur frisch, fromm, fröhlich, frei, sie decken auch den architektonischen Aufbau der Werke auf, Sie lassen die Kantilenen breit dahinfließen und erzielen ein dynamisch reich schattiertes und weiches Klangbild.

ZEITMOSAIK

Es gibt keine patriotische Kunst und keine patriotische Wissenschaft. Beide gehören wie alles hohe Gute der ganzen Welt an und können nur durch allgemeine freie Wechselwirkung aller zugleich Lebenden in steter Rücksicht auf das, was uns vom Vergangenen übrig und bekannt ist, gefördert werden.

Kunstkalender

• Wassily Kandinsky: "Die gesamte Druckgraphik" (Lenbach Galerie, München): Die Städtische Galerie in der alten Lenbachvilla an der Luisenstraße gilt als die Hochbarg des "Blauen Reiter", hier hängt eine exemplarische Sammlung der Gemälde, vor allem der frühen Werke Kandinskys, die zum größten Teil aus der Gabriele-Münter-Stiftung stammen.

Das Büdinger Happening

War die Alternative: Salzburg, Bayreuth oder Büdingen, wie sie der Maler Werner Schreib ante festem in einem Flugblatt zum 2.

Wenn Plastik sich in der Natur verliert

Kunst soll sich in der Natur verlieren, meinte Hans Arp. Und wo kann sie das besser tun, als wenn sie sich ins Freie begibt, in die Landschaft.

Zensur-Hokuspokus

Die Demonstrationen der Berliner Studenten gegen Gualtiero Jacopettis Film "Africa addio" (der Film wurde in Berlin vom Programm abgesetzt, beim Berliner Generalstaatsanwalt ist ein Strafantrag der Studenten gegen Unbekannt eingegangen) haben Jacopettis deutschen Verleiher, die Firma Cine-Union, zu einem ungewöhnlichen Schritt bewogen: "Africa addio" wird noch einmal der Freiwilligen Selbstkontrolle und der Filmbewertungsstelle vorgelegt, um beiden Gremien die Chance zu geben, ihre Entscheidungen zu revidieren.

Fernsehen:: Rudolf Plattes Exerzitien

Rudolf Platte spielte, "Weiß gibt auf" hieß das Fernsehstück von Frederic Raphael, einen einsamen kleinen Apothekergehilfen, der als Kronzeuge einem schweren Jungen den Weg zum Galgen erspart und dafür von dem des Mords Bezichtigten (Jenks sein Name, Lowitz, diesmal auf der Kriminellenseite placiert, agierte vortrefflich) in brutaler Weise belohnt wird.

Nichts von Anarchismus

Akademische Jungbürger stehen im Geruch, es unersättlich bei Wein, Weib und Gesang zu treiben, um dann, vom vielen Nichtstun aufgebracht, den Aufstand zu proben.

Heckel ganz groß

Es sei "sein Verdienst und seine Größe, den Expressionismus in das rein Menschliche sublimiert zu haben". Der Satz ist auf Erich Heckel gemünzt und so fragwürdig wie alle Versuche, ein Lebenswerk auf eine Kurzformel zu, bringen.

Gotteslästerung - ein Verbrechen?

Dabei stehen nicht etwa die gläubigen Christen auf der einen Seite und die Atheisten und die Agnostiker auf der anderen. Eine breite Bewegung innerhalb der protestantischen Theologie wendet sich aus theologischen Gründen gegen den strafrechtlichen Schutz einer (welcher?) Gottesvorstellung.

Wildenten oder Schildkröten

Was sich unsere Verleger im Falle Edmund Wilson nicht leisten, ist ein Ärgernis. Seit drei Jahren vergebliches Warten auf eine Übersetzung seiner erregend klar definierten Rebellion gegen den Staat, der wider das Wohl der Gemeinschaft handelt: "The Cold War and the Income Tax".

ZU EMPFEHLEN

ES GEFÄLLT – ja, es gefällt mir dieses Prosastück immer noch außerordentlich, und ich zögere nicht zu sagen, daß es in seiner Art vollendet ist.

Ein neues Modell

Mehrere Jahre hindurch stand die Berliner Film- und Fernsehakademie schwach konturiert, nichtsdestoweniger aber heftig und häufig diskutiert, am Kulturhorizont der Stadt.

So deutsch nun wieder nicht

Die Lufthansa wirbt in Amerika damit, daß sie zwar deutsch ist, aber so deutsch nun auch wieder nicht sein möchte. "Einiges an der deutschen Luftfahrtgesellschaft ist sehr undeutsch", wurde teils erfreuten, teils erzürnten, in jedem Falle erstaunten Amerikanern letzte Woche in Großanzeigen mitgeteilt.

Lyrik auf dem Markt

Dichter hinaus auf den Marktplatz und unter die Leute! meinte der "Schutzverband Deutscher Autoren Nordwest" und arrangierte eine Veranstaltungsreihe, die am Freitagabend voriger Woche ihren Anfang nahm: Auf dem Hamburger Adolphsplatz, vor der Deutschen Bank und gegenüber der Börse, die Kameras von Fernsehen und Wochenschau im Genick, diskret vom Michael-Naura-Quartett begleitet, las Peter Rühmkorf gedruckte und ungedruckte Gedichte (ein Bericht findet sich auf Seite 7 dieser Ausgabe) – und hielt eine Rede über eben die Frage, die zu diesem Abend geführt hatte und die dieser Abend aufs neue stellte, über die Marktchancen der Lyrik.

Zu früh gefreut

Ludwig. Erhard im Juni: "Das deutsche Volk taumelt dahin." Ludwig Erhard im August: "Über das Gröbste sind wir nun hinweg." Seit seiner Regierungserklärung im vergangenen Herbst hat der Kanzler vor drohenden wirtschaftlichen Gefahren gewarnt, hat er mit Ernst und oft mit Leidenschaft gemahnt: "Wir sind bereits auf der schiefen Bahn.

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