Professor Meyer: Klatsch ist lebens wichtig

Wenn zwei Frauen miteinander reden, heißt das klatschen. Wenn zwei Männer miteinander klatschen, nennen sie es Unterhaltung. Der weibliche Meinungsaustausch wird als Erbübel verdammt, der männliche als gesellige Kontaktfreude gepriesen.

Jetzt hat ein Mann das Vorurteil gebrochen. Er heißt Meyer, und er weiß Bescheid. Er hat das bislang so verpönte Phänomen nach allen Regeln seiner Soziologenkunst beobachtet, registriert und statistisch ausgewertet. Seit 1961 betreibt er seine Studien. Dieser Tage wurde sein Bericht veröffentlicht.

Die Weisen werden es nicht wahrhaben wollen, doch John F. Meyer aus Washington hat es bewiesen: Der Mensch kann ohne Klatsch nicht leben. Wer klatscht, beweist gesunden Instinkt. Und für die Frauen gar ist diese Neigung lebenswichtig: Sie kitten und retten damit ihre Ehe.

Und nicht nur die Ehe. Der Mensch, so behauptet der Soziologe, brauche den Klatsch auch als erholsamen Leerlauf im Leistungswettkampf. Die Seele des Menschen, von Natur aus kein Motor, müsse sich in menschlicher Neigung entspannen. Menschlich jedoch sei vor allem der Klatsch. Ein Lästergeschwätz in der Pause wirke als befreiende Wäsche, die aufgestauten Ärger, nichtige Mißlichkeiten und neidische Hintergedanken hinwegschwemmen könne.

Und so empfiehlt denn auch Meyers Kollege Professor Distel, ein Arbeitspsychologe aus Washington, den Klatsch als tägliche Entspannungsübung im Betrieb: "Mach mal Pause – und rede über deinen Nächsten!" Dann ginge die Arbeit noch einmal so gut. Dann wäre der arbeitsfördernde Seelenfrieden vorübergehend wiederhergestellt. Wer klatscht, könne anschließend das Doppelte oder gar Dreifache leisten.

Das Betriebsklima blüht auf