Das Gefühl allein oder im Stich gelassen zu sein, beschleicht fast alle, die sich in den kahlen Räumen von Marienfelde oder auch später an ihrem neuen Wohnort und Arbeitsplatz zurechtfinden müssen. Die zweihundert Mark, die ihner dann in die Hand gedrückt werden, helfen nur wenig. Sie erwarten mehr; sie warten auf Menschen, bei denen sie ihre Sorgen, Fragen und Zweifel abladen können; sie suchen jemanden, der ihnen hilft, sich in der neuen, fremden Welt zurechtzufinden. "Patenschaften" müßte es geben Paten, von denen manchmal nicht mehr verlangt wird, als daß sie gute Zuhörer sind und hier und da einmal weiterhelfen.

"Barbara" kann nicht jeden einzelnen der Flüchtlinge an die Hand nehmen. Die Flüchtlingsstatthilfe lebt von privaten Spenden, und die Zahl der Helfer ist begrenzt. Aber sie hat ihre Wirkung. Jeder, der in "Barbaras" Zimmer im Lager von Marienfelde saß, fühlte sich verstanden Aus den Dankesbriefen, die "Barbara" erreichen, sei einer herausgegriffen. Die Studentin der Pädagogischen Hochschule in Dortmund, Elke D., schreibt:

"Es ist nicht allein die großzügige finanzielle Unterstützung, die Sie mir gewährt haben, die mich so dankbar sein läßt, sondern das Gefühl, daß es Menschen gibt, die ihre Verbundenheit mit dem schweren Schicksal Deutschlands durch die Tat beweisen. Es hat mich oft erschüttert, auf wieviel Unverstand man hier manchmal stößt. Viele haben vergessen, daß Mitteldeutschland nicht nur ein Landstrich ist, sondern daß dort auch Menschen mit Hoffnungen und Wünschen leben, Menschen, die charakterlich sehr wertvoll sind. Sie können nicht begreifen, daß man mit seinen Herzen zum Teil noch drüben ist, im Staate Ulbrichts, daß man trennen muß zwischen dem Regime, das man ablehnt, und dem Gefühl der Verbundenheit zur Heimat und zu Menschen, deren Freundschaft sich seit 20 Jahren bewiesen hat. Man kann diese Trennung nicht einfach abschütteln, und das macht den Anfang so schwer. Aber man darf auch nicht einfach vergessen, denn dann wird man gleichgültig."