Akademische Jungbürger stehen im Geruch, es unersättlich bei Wein, Weib und Gesang zu treiben, um dann, vom vielen Nichtstun aufgebracht, den Aufstand zu proben. Wegen des Verhaltens einer kleinen Fronde, studentischer Minoritäten, malt mancher hierzulande sich den Studenten aus wie der Hieronymus Bosch die Hölle. Dabei steht der durchschnittliche, der "mittlere" Student gutmütig und unpolitisch mit beiden Beinen auf formierter Erde. Das behauptet jedenfalls in ihrer jüngsten Ausgabe die Studentenzeitung nobis. Sie beruft sich dabei auf die jetzt zum erstenmal verfügbaren Ergebnisse einer Umfrage unter Mainzer Studenten aus dem Sommer 1965.

Initiatoren dieser Erhebung waren das Institut für Publizistik an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität und das Institut für Demoskopie Allensbach. Unter Anleitung von Professor Dr. Elisabeth Noelle-Neumann hatten Publizistik-Studenten eine für die rund 7000 in Mainz immatrikulierten Deutschen repräsentative Stichprobe gezogen und 453 studentische Zielpersonen interviewt.

77 Prozent der an der rheinland-pfälzischen Landesuniversität eingeschriebenen deutschen Studenten sind männlich, elf von Hundert verheiratet, 52 Prozent sind evangelisch, 43 katholisch. Die Kinder der alma mater stehen im Schnitt, bei einem mittleren Alter von 22 Jahren, zwischen dem dritten und neunten Semester. Jeder Vierte ist akademischer Oldtimer, an Lebens- und an Dienstjahren (25 bis 29 Jahre; zehn und mehr Semester).

Als beliebteste Fakultät gilt die Philosophische; 33 Prozent haben sich ihr verschrieben, drei Prozent der Katholischen und vier der Evangelisten Theologie. Schützling des Medizinischen oder des Naturwissenschaftlichen Dekanats ist jeveils jeder Vierte; 16 von Hundert stellen den Nachwuchs für Deutschlands Recht und Wirtschaft. Nur 14 Prozent haben bislang ihr Studienfach, 30 Prozent dagegen wenigstens einmal die Universität gewechselt.

Einzelkinder unter den Studenten sind in der Minderheit. Ein Drittel kommt aus Familien mit zwei Sprößlingen, 40 Prozent haben zwei und mehr Geschwister. In 55 von hundert Fällen besitzen die Väter der Studierenden keine akademische Ausbildung. Es sind:

Facharbeiter mit abgelegter Prüfung 5 %

Sonstige Arbeiter 1 %