Im September 1956 erreichte Schäffers Juliusturm die Höhe von 7 Milliarden Mark. Anton Säbel der Präsident der Nürnberger Anstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, wird bald einen noch höheren Sabel-Turm präsentieren können. Das Vermögen der Bundesanstalt belief sich zur Jahresmitte auf 6,12 Milliarden Mark – die etwa 500 Millionen Darlehensforderungen und über 200 Millionen Grundbesitz nicht eingerechnet. Durch die am 1. Oktober in Kraft tretende Heraufsetzung der Beitragsbemessungsgrenze in der Arbeitslosenversicherung von 750 auf 1300 Mark werden, der Nürnberger Anstalt jährliche Mehreinnahmen von 200 Millionen Mark zufließen.

Schon 1961 hatten die Rücklagen die ansehnliche Höhe von 5,4 Milliarden erreicht. Bereits damals war der Bundestag der Ansicht, daß eine weitere Aufstockung der Reserven nicht mehr notwendig sei. Die Bundesanstalt hingegen vertritt auch heute noch die Meinung, ihre Rücklagen müßten so hoch sein, um zwei Jahre hindurch eine Arbeitslosenquote von 5 Prozent ohne Defizit durchhalten zu können. Das ist eine völlig unrealistische Annahme, die wohl nur aus unbewältigten Erinnerungen an die Weltwirtschaftskrise von 1931 erklärbar ist.

Seit mehr als fünf Jahren liegt die Arbeitslosenquote bei uns unter 0,5 Prozent. Durch die Anlage von Milliarden etwa Konjunkturpolitik betreiben zu wollen, ist gewiß nicht Aufgabe der Nürnberger Anstalt. Viele Gründe sprechen dafür, ihre Rücklagen auf einen Stand zurückzuführen, der den realistisch geschätzten Anforderungen der Zukunft entspricht. Auch hier gilt der Satz, daß Kasse sinnlich macht. Je mehr Geld verfügbar ist, desto mehr wird ausgegeben. Der Vorschlag des Arbeitgeberpräsidenten Professor Balke, den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung zu senken, ist deshalb nicht so ganz unvernünftig. ehk