Die Agrippina Versicherungsgruppe in Köln, deren Hauptgesellschaft der drittgrößte deutsche Schadenversicherer ist, läßt zunehmend die persönliche Handschrift Ludwig-Theodor von Rautenstrauchs erkennen, der Anfang 1965 bei allen Gesellschaften den Vorstandsvorsitz übernommen hat und damit in seinem Bereich – dem Generalkonsul Hans Gerling bei der Konkurrenz vergleichbar – alle Fäden in der Hand hält. Notwendige Voraussetzung dafür, daß die Ziele der Reorganisation bisher auseinanderstrebender Außendienste und der Verbesserung der Bestandsmischung in den Schadensversicherungssparten erreicht werden können, war und ist eine verstärkte Konzentration des Kapitals in der Gruppe.

Hier haben die zurückliegenden anderthalb Jahre denn auch bereits wesentliche Fortschritte gebracht: Das Kernunternehmen Agrippina Versicherungs-AG befindet sich zu rund 75 Prozent fest in den Händen Rautenstrauchs beziehungsweise des Kölner Bankhauses Delbrück von der Heydt & Co., dessen persönlich haftende Gesellschafter die Familien von Rautenstrauch und Momm (Aufsichtsratsvorsitzender bei den Agrippina-Gesellschaften) sind, sowie bei der Agrippina Rückversicherung, die zu 65 Prozent der Sachgesellschaft und dem genannten Bankhaus gehört. Etwa 25 Prozent des Agrippina Versicherungskapitals sind auf 800 Belegschaftsaktionäre und 500 sonstige freie Aktionäre verteilt.

Fest – mit inzwischen gut 95 Prozent ihres Kapitals – an dieses Unternehmen ist die "Patria" angeschlossen, die als Warenhausversicherer einen alten Ruf hat und die künftig vor allem als Haus-Rückversicherer fungieren soll (das Eigenkapital erlaubt eine Vervierfachung des Geschäftsvolumens); die Agrippina Rück arbeitet seit fünf Jahren am freien Rückversicherungsmarkt und wird hier auch weiterhin tätig bleiben. Sie hält inzwischen eine Schachtel der Agrippina Lebensversicherung, von der weitere 40 Prozent bei der Hauptgesellschaft sind. Hier wie für die Patria sind Unternehmensverträge nach dem neuen Aktiengesetz in Aussicht genommen. Über die Rückversicherung sind die Central Krankenversicherung und die Bonner Lebensversicherung fest in die Gruppe eingefügt.

Zunächst aber galt es in der Rechnung reinen Tisch zu machen: Das erste Jahr Rautenstrauch ist bei der Agrippina-Sach ein "Schaltjahr" geworden: Versicherungstechnische Reserven, ein offenbar bisher etwas kurz gekommenes Kapitel, wurden kräftig aufgestockt. Nicht zuletzt ergab das einen fühlbaren Verlust in den Sparten, der im allgemeinen Geschäft überkompensiert werden konnte. Bg.