Von Kristian Klaas

Lofotinseln – der Name schmeckt nach tiefgefrorener Exotik, nach Kabeljau und weltverlorener Eintönigkeit am Rande des Nordmeeres. Und sucht man im Lexikon nach freundlicheren Wahrheiten, so liest man von kahlen Felskuppen und 30 000 Einwohnern, die sich von Fischfang und Fischindustrie ernähren. Es fällt schwer, sich daraus das Bild eines lockenden Sommerferienzieles zu machen. Und doch sind’s die Lofoten.

Die Sommersaison reicht bis in den September hinein. Ein halbes Dutzend menschenleerer Sandstrände schmiegt sich an die steilen Granitfelsen. Im Meer und in den zahlreichen Binnenseen wimmelt es von Fischen. Als Ausflugsziele locken der wilde Trollfjord, Narvik, Harstad, Bodo oder der äußerste Vorposten der Lofoten, die Fischer- und Vogelinsel Röst. Vor allem aber lockt eine Attraktion, die vor wenigen Jahren noch unbekannt war und die man nur auf den Lofoten findet: Rorbu-Urlaub.

"Rorbuer" sind einfache Holzhütten, die in den Fangmonaten des Winters auswärtigen Fischern (die von hier aus dem Kabeljau nachjagen) als Wohnung und Magazin dienen und die auf den Lofoten eine jahrhundertelange Tradition haben. Vorraum als Lager, Küche und Aufenthaltsraum – das ist alles. Früher lebten hier zehn- bis zwölfköpfige Bootsmannschaften. Touristen haben es besser. Vier bis fünf Schlafplätze per Rorbu, mehr mutet man ihnen nicht zu.

In einem solchen Rorbu Ferien zu machen, das verspricht Abenteuer (ohne Risiko) für die ganze Familie. Man lebt in der Gemeinschaft der idyllischen Fischerorte, ist gewissermaßen Fischer unter Fischern, hat die salzige See unmittelbar vor der Tür und das Ruderboot am Pfosten daneben. Nicht übermäßig komfortabel, dafür aber unverfälschtes Fischer-Milieu mit Duft von Meer und Tang und Teer, vor einer Kulisse aus bunten Leinen, Netzen, Segeln und baumelnden Klippfischen. Den frischen Mittagsfisch holt man sich selbst aus dem Meer, und die Zutaten liefert der Kaufmann an der Anlegebrücke.

Dieser Rorbu-Urlaub kostet pro Tag und Person nicht mehr als vier bis sechs Kronen (2,30 bis 3,50 Mark), dazu täglich vier Kronen für ein seetüchtiges Ruderboot. Kein Wunder, daß diese naturverbundene Form der Familienferien immer mehr Anhänger unter den Reisenden findet, die weniger Wert auf Komfort, laute Unterhaltung und Service legen, sondern mehr auf preiswerte Unterkunft, garantierte Ferienruhe und ursprüngliches Milieu.

Der Fremdenverkehrsverband ( Lofotens Reiselivsforening, Svolvaer) achtet sehr genau darauf, daß die Rorbuer bei aller nutzbedingten (und vom zivilisationsübersättigten Mitteleuropäer wohl auch erwarteten) Primitivität gewissen Mindestanforderungen entsprechen. So haben sie alle Elektrizität, Heizung, Kochherd, Geschirr, ausreichendes Mobiliar und oft fließendes Wasser, einige sogar eigenes Bad und WC.