Also, ist das nicht empörend? wurden wir in letzter Zeit wiederholt gefragt. Wir finden es weniger empörend als bezeichnend– und daher einer Mitteilung wert.

Die Lufthansa wirbt in Amerika damit, daß sie zwar deutsch ist, aber so deutsch nun auch wieder nicht sein möchte. "Einiges an der deutschen Luftfahrtgesellschaft ist sehr undeutsch", wurde teils erfreuten, teils erzürnten, in jedem Falle erstaunten Amerikanern letzte Woche in Großanzeigen mitgeteilt.

Natürlich ist genau das die Absicht der amerikanischen Agentur Doyle Dane Bernbach, die mit der Lufthansa-Werbung beauftragt ist: Erstaunen, Aufmerksamkeit zu wecken. Ist dafür jedes Mittel recht?

Im Kleingedruckten klingt’s dann viel harmloser, als es das Bekenntnis zum Undeutschtum erwarten ließ. Die Stewardessen, heißt es da nämlich, vergessen, daß sie Deutsche sind (als ob es nie ein "Fräulein-Wunder" gegeben hätte), und wissen nur noch: sie sind Mädchen.

Daß damit bei den Passagieren vielleicht Hoffnungen geweckt werden, die dann doch unerfüllt bleiben müssen, ist Sache der Lufthansa, und ihrer Stewardessen. Ein bißchen unbehaglich ist einem schon, wenn unsere repräsentative Luftfahrtgesellschaft genauso auftritt wie viele nicht sehr liebenswerte Figuren, die wir im Ausland treffen: Sie können es nicht leugnen, daß sie Deutsche sind, sie vergessen es nur ein bißchen ... Leo