wie der (Westberliner) Funkturm, sechzig Meter höher als der Eiffelturm in Paris, nur zwanzig Meter niedriger als das Empire State Building in New York — eine Vorstellung, die Westberliner Lokalpatrioten schlaflose Nächte bereitet. Und nun ziehen sie also zu Felde gegen die Baupolitik des "Senders Freies Berlin (SFB), in der — wie sie sagen und in den Zeitungen seh reiben — Bürokratismus und Kleinmut den Bau eines ebenso hohen Turmes in Westberlin verhinderten. Der Sender hingegen weist darauf hin, daß die Berliner Stadtkommandanten noch keine Zustimmung für Baupläne dieser Art erteilt hätten, aus Gründen der Flugsicherheit. Gleichviel — da das östliche Bauwerk inzwischen 53 Meter mißt und zürn Jahresende 150 der 360 Meter erreicht haben soll, wird demnächst wohl auch mit dem Bau eines Westberliner Giganten begonnen. Denn: Die Rivalität der beiden Stadthälften ist in mancher Beziehung mehr dekorativen als existenziellen Charakters.

Werden auch noch zwei Jahre vergehen, bis alle Ostberliner vom Restaurant ihres Fernsehturmes auf die Westberliner hinabblicken können, so schaut seit einigen Tagen ein freier Mann von einem der höchsten Bauwerke Westberlins abwägend auf Ostberlin hinab: Oskar Kokoschka vom 19. Stockwerk des soeben fertiggestellen Axel Springer Verlagshauses an der Mauer der Kreuzberger Kochstraße. Was den Maler indessen veranlaßt, tagtäglich aus der Vogelperspektive die Zweiteilung der größten deutschen Stadt zu betrachten, entspringt mehr ästhetischen denn politischen Überlegungen. Läßt sich die Mauer malen, oder läßt sich die Mauer nicht malen?