Als er noch Student war, ließ er seinen Vater, der an all seinen Problemen gewissenhaft Anteil nahm und den er sonst über den Gang seines Studiums sorgfältig auf dem laufenden hielt, einmal wochenlang ohne Nachricht, und das in einer für seine Ausbildung entscheidenden Zeit. Da warf der Vater ihm "grenzenlose Nachlässigkeit" vor und schrieb: "Das bestätigt mir leider nur zu sehr die Meinung, welche ich trotz Deiner manchen guten Eigenschaften hege, daß der Egoismus in Deinem Herzen vorherrschend ist."

Es gab noch andere Gründe für diese Meinung des Vaters. Zum Beispiel, daß der Sohn in seiner Studienzeit, besonders in Berlin, allzu sorglos Geld ausgab: "Als wären wir Goldmännchen, verfügt der Herr Sohn in einem Jahre für beinahe 700 Taler gegen alle Abrede, gegen alle Gebräuche, während die Reichsten keine 500 ausgeben."

Seine Ausgaben waren in der Tat beachtlich. Sie erreichten nahezu das Jahresgehalt eines Berliner Stadtrats, während andere Studenten "mit 180 bis 200 Talern ganz famos auszukommen" wußten.

Mit Geld konnte er einfach nicht umgehen. Immer zerrann es ihm unter den Händen. Das ging sein ganzes Leben so. Und dieser Mangel an Ökonomie – ausgerechnet bei ihm, der Jahrzehnte lang über Nationalökonomie arbeitete – hat nicht wenig dazu beigetragen, daß er trotz vieler Zuschüsse, trotz Erbschaften und regelmäßiger Geldzuwendungen seines Freundes, ständig in einer finanziellen Misere steckenblieb.

Freilich hatte er es nicht leicht. Im Exil eine sechsköpfige Familie – Frau, drei Kinder und Haushälterin – über Wasser zu halten, das war schon ein Problem. Manchmal konnte er die Wohnung nicht verlassen, weil sogar seine Kleidung im Pfandhaus war. Und oft konnte er, der vom Schreiben lebte, kein Schreibpapier kaufen. Heute haben seine Werke hohe Auflagen, heute werden einzelne seiner Manuskriptblätter zu hohen Preisen gehandelt.

Doch wie schon gesagt, erhielt er ja von seinem Freunde regelmäßige Geldzuwendungen. Nur änderte das prinzipiell gar nichts, weil ihm mit Geld einfach kaum zu helfen war. Bekam er größere Summen in die Hände – einmal fünftausend Mark durch eine Erbschaft seiner Frau, dann dreitausend von einem reichen Onkel und nur wenige Jahre später dreißigtausend Mark, die er selber geerbt hatte –, dann hob er sofort seinen Lebensstandard. Als er die Erbschaft machte, bezog er ein größeres Haus. Und schon bald waren wieder die alten Geldsorgen da; mehrere Hauslieferanten drohten ihm mit dem Gericht. Wieder mußte er unter seinen Bekannten kleinste Beträge zusammenpumpen, um wenigstens das nötigste bezahlen zu können – "Bäcker, Milchmann, Teekerl, greengrocer, alte Metzgerschuld noch; wie soll ich mit all dem Teufelsdreck fertig werden?"

Allmählich ging ihm die ewige Misere auf die Nerven, zumal da auch noch Krankheiten hinzukamen. "Mein Haus ist ein Lazarett", schrieb er dem Freund, "meine Frau ist krank, Jennychen – die älteste Tochter ist krank, Lenchen – die Haushälterin – hat eine Art Nervenfieber. Den Doktor kann und konnte ich nicht rufen, weil ich kein Geld für Medizin habe."