Es gibt keine patriotische Kunst und keine patriotische Wissenschaft. Beide gehören wie alles hohe Gute der ganzen Welt an und können nur durch allgemeine freie Wechselwirkung aller zugleich Lebenden in steter Rücksicht auf das, was uns vom Vergangenen übrig und bekannt ist, gefördert werden. J. W. von Goethe

Sommerkinder

Die englische Zeitschrift Educational Research entdeckte ein neues pädagogisches und bildungspolitisches Problem. Sie fand heraus, daß im Sommer geborene Kinder im Durchschnitt schlechtere Schüler sind; und sie lieferte eine sogar plausible Erklärung. Das schlechtere Abschneiden der Sommerkinder, meint sie, gehe nicht etwa auf meteorologische oder genetische oder astrologische Ursachen zurück, sondern auf den Umstand, daß im Sommer geborene Kinder bei der Einschulung die jüngsten und damit ihren älteren Klassenkameraden gegenüber benachteiligt sind: Ihre Anpassungsschwierigkeiten sind größer, sie lernen weniger leicht und finden sich schließlich oft damit ab, zu den schlechten Schülern zu gehören – ihr Ehrgeiz leidet. Wer wird sich dafür zuständig fühlen, die Kinder von diesem Handikap zu befreien – die Lehrer oder die Eltern?

Der nächste Godard

Seine Pläne, das Neue Testament zu einem Film zu verarbeiten, hat Jean-Luc Godard offenbar aufgegeben. Zur Zeit dreht er in Paris "Made in USA" nach einem Krimi von Richard Stark. Von Anna Karina, die wieder die Hauptrolle spielt, sagt Godard, sie sei eine Art weiblicher Humphrey Bogart. Sie kommt in eine Stadt, um nach einem verschwundenen Freund zu forschen, und bringt dabei einige Leute um. Nach "Made in USA" wird Godard mit Marina Vlady einen Film über eine Gelegenheits-Prostituierte drehen. Darach will er das Filmen an den Nagel hängen, Produzent werden und endlich die anderen drehen lassen. Es ist aber nicht anzunehmen, daß er dies allzu ernst meint.