Die Demonstrationen der Berliner Studenten gegen Gualtiero Jacopettis Film "Africa addio" (der Film wurde in Berlin vom Programm abgesetzt, beim Berliner Generalstaatsanwalt ist ein Strafantrag der Studenten gegen Unbekannt eingegangen) haben Jacopettis deutschen Verleiher, die Firma Cine-Union, zu einem ungewöhnlichen Schritt bewogen: "Africa addio" wird noch einmal der Freiwilligen Selbstkontrolle und der Filmbewertungsstelle vorgelegt, um beiden Gremien die Chance zu geben, ihre Entscheidungen zu revidieren. Die FSK hatte den Film ohne Schnittauflagen freigegeben und die FBW ihn mit einem steuerermäßigenden Prädikat ausgezeichnet. Der Fall ist ohne Beispiel und zeigt deutlich, in welche Abseitsstellung sich die Wiesbadener Scherenmänner und Filmbegutachter manövriert haben. Nicht daß sie den einen Film freigegeben hat, ist der FSK anzulasten, sondern daß sie diesen, der so eindeutig gegen ihre Satzungen verstößt, passieren ließ, während sie andere, die nicht gegen die Satzung verstoßen, unverfroren verstümmelt; ärgerlich ist die durchsichtige Beliebigkeit, mit der sie verfährt. Und was die FBW angeht: nach welchen Gesichtspunkten dort Prädikate verliehen werden, war schon immer ein Geheimnis. Sollten die FSK und die FBW ihre Entscheidungen revidieren (die FBW müßte zu diesem Zweck ihre Geschäftsordnung ändern), wäre das ein Anlaß, nach der Exstenzberechtigung dieser Gremien zu fragen. U.N.