Gegen zwei Deutsche, denen Teilnahme am Massenmord während des Dritten Reiches zur Last gelegt wird, ist vor ausländischen Gerichten jetzt entschieden worden:

  • Argentiniens Oberster Gerichtshof hat bestimmt, daß der 64jährige Jurist Gerhard Bohne an die deutschen Behörden ausgeliefert werden soll. Gegen dieses Urteil gibt es keine Revisionsmöglichkeit.
  • In Ghana billigte ein Gericht die Auslieferung des 60jährigen Arztes Gerhard Schumann. Gegen diese Entscheidung kann er auf Grund der Habeas-Corpus-Regeln Revision einlegen.

Bohne, der 1963 geflohen war, wird die Mitschuld an der Ermordung von etwa 60 000 Geisteskranken vorgeworfen. Der ehemalige Oberregierungsrat in der Berliner Euthanasie-Zentrale leugnete. Sein Anwalt dagegen erklärte die Taten seines Mandanten damit, daß während des Krieges Krankenhausbetten für Verwundete gebraucht worden seien. Bohne, der an Krebs erkrankt ist und voraussichtlich mit dem ebenfalls leidenden Angeklagten Hefelmann in Limburg vor Gericht gestellt wird, ist der erste Ausländer, der von einem argentinischen Gericht wegen NS-Untaten ausgeliefert wird. Dies sei, so heißt es in Buenos Aires, ein klares Bekenntnis der neuen Regierung Ongania zur Rechtstaatlichkeit. Ein Fall Eichmann, der vom israelischen Geheimdienst gekidnappt wurde, brauche sich nun nicht zu wiederholen.

Schumann wird beschuldigt, er habe in Euthanasie-Anstalten Geisteskranke getötet und in Auschwitz Menschenversuche unternommen. Er war 1951 legal mit seiner Familie ausgewandert. In Ghana stand er bis zum Sturz Nkrumahs unter dessen persönlichen Schutz. Ihm soll, wenn dem Auslieferungsbegehren stattgegeben wird, in Frankfurt der Prozeß gemacht werden.