Wer zur schönen Sommerszeit ins Land der Franken will fahren, der merke auf: Veitshöchheim, Sommerhausen, Sommerach und Volkach sind mehr als fränkische Dörfer. Dem Kenner klingen ihre Namen wie Feierabendglocken, Gläserklingen und Trinklieder aus kühlen Weinkellern. Denn diese Dörfer in der Würzburger Mainschleife sind Hauptstädte einer begnadeten Provinz von Wein und Kunst und Heiterkeit des Lebens. So empfand es auch ein alter fränkischer Weintrinker und Lebenskünstler, als er die Erfahrungen eines Menschenalters in Notizen einer weinseligen Reise ummünzte:

Weinfahrt durch Franken von Anton Schnack; mit einem kleinen Weinbrevier; illustriert von Marietta Zimmermann; Süddeutscher Verlag München; 146 Seiten; 8,80 Mark.

Die Reise des vielbelesenen, weinerfahrenen, nachdenklichen und humorvollen Spätanakreontikers durch die zwölf Monate des Jahres ist eine Liebeserklärung an den Bocksbeutelwein und das Land des Bocksbeutelweins. „In jedem Monat ist es in Mainfranken ganz besonders schön“: weil Mainfranken das Lieblingsland der Mutter Gottes ist, weil die Mädchen aussehen wie Heiligenbilder von Riemenschneider, weil die Sonne großartige Weinjahrgänge im Muschelkalk kocht, weil die Seligkeiten des Zechens niemals ein Ende nehmen. Wer je zur schönen Sommerszeit ins Land der Franken will fahren, der tu’ dies poesievolle und nützliche Brevier in seinen Ranzen. WB

Eine Handvoll Israel

In der Reihe „Die Goldenen Bücher sind schon mehr als zwanzig Miniaturphotobändchen über Länder (Schweiz, Frankreich, Italien...) und Städte (Paris, Rom, Venedig ...) erschienen, jeweils etwa 150 Kunstdruckbildchen im Quartformat von zwölf Zentimetern, mit lakonischen Bildlegenden in drei Sprachen; sonst keine Texte. Titel des jüngsten Büchleins:

Israel; Verlag Hallwag Bern und Stuttgart; 143 Seiten; 4,80 Mark.

Dies ist eine Handvoll Israel aus vorliegendem, durchweg konventionellem Bildmaterial, wie es von Agenturen und offiziellen Bilderdiensten immer wieder angeboten wird, die üblichen langweiligen Photos von den üblichen langweiligen Postkartenmotiven: Landschaft in Galiläa (mit Ölbaum) und Berg Tabor (mit Mönch), die Heilig-Grab-Kirche zu Jerusalem (mit Priester) und König Davids Grab (mit Touristen), Ernte im Kibbuz (mit vermutlich Orangen) und Totes Meer (mit schwimmendem Zeitungsleser). Photographische Qualität und informatorischer Gehalt wetteifern miteinander. Eine Nichtigkeit, gewiß, aber wem mag mit solcher Nichtigkeit eigentlich gedient sein? bo