Pnom Penh, Kambodscha, Ende August

Die Erwartungen, daß de Gaulles Besuch den Krieg im nachbarlichen Vietnam in irgendeiner Weise beeinflussen werde, sind hier auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Denn soviel steht fest, die beiden Gegner sind zur Zeit nicht bereit, an irgendeinen Kompromiß auch nur zu denken. So wird diese Visite vermutlich nur für die eigentlichen Beteiligten von Bedeutung sein, für Frankreich und Kambodscha, die in der Forderung übereinstimmen, daß die Amerikaner mit dem Vietcong verhandeln sollen.

Das äußere Bild ist von exotischer Großartigkeit, dabei von überraschendem Geschmack und betont modern: De Gaulle wird wie ein orientalischer Kaiser empfangen. Die echte Verehrung, die Prinz Sihanouk für den Chef Frankreichs empfindet, der sein Land nach dem Zusammenbruch der kolonialen Periode wieder zu so unerwarteter Bedeutung und Größe geführt hat, kommt in allen Gesten und Reden zum Ausdruck. Der General seinerseits würdigt des Prinzen Neutralität – „die Politik der Vernunft und Festigkeit“, wie er es nannte. Dies wiederum stärkt das Prestige Sihanouks und gibt ihm die Möglichkeit, etwas mehr Distanz von China zu halten, dessen Druck nun scheinbar ein gewisses Gegengewicht erhalten hat – wird doch durch de Gaulles Besuch demonstriert, daß Kambodscha einen mächtigen Freund außerhalb Asiens hat.

Freilich ist kaum anzunehmen, daß diese psychologische Wirkung lange vorhalten und auf die Nachbarstaaten ausstrahlen wird. Dafür ist die amerikanische Präsenz in Vietnam und Thailand zu überwältigend und zu konkret. Resümee: Blickt man, wie der General es gern tut, aus der historischen Perspektive auf diesen Besuch, so stellt er sich eher als das zeremonielle Ende der französischen Ära in diesem Teil der Welt dar, denn als der Beginn einer neuen Phase.

Carl Weiss