Gedränge an der Parkuhr: Fahrer, Frauen, Pensionäre

Von Wilhelm Steiner

Fräuleinwunder in Uniform? „Nein, damit habe ich nicht spekuliert.“ Der Münchener Polizeipräsident läßt sich den Slogan nicht in den Mund zwingen. Er scheint den Vergleich, der seinen „Politessen“ gilt, dennoch als Kompliment zu werten. Wo andere Städte sich auf Routiniers verlassen – auf pensionierte Beamte – da hält er’s mit den Frauen: Polizeipräsident Schreiber setzt, um in der bayerischen Landeshauptstadt die Parkplätze zu kontrollieren, nur noch weibliche Hilfskräfte ein. Politessen also. Junge Damen, halb Polizistinnen, halb Hostessen. Seltsame Legierung zweier Berufe.

Der Polizeipräsident findet es gut so. Er plädiert für eine Spur von Saloppheit im Umgang mit dem Auto fahrenden Bürger: „Wir wollen den Parksündern mit lockerer Hand beikommen. Dazu sind junge Damen besser geeignet als sechzigjährige oder noch ältere Polizisten. Außerdem: Wer so lange im Dienst war, sollte sich den Ruhestand gönnen. Deshalb habe ich mich für Politessen entschieden.“

Die Damen mit Käppi haben sich schon bewährt. Seit einem Jahr sind sie bereits im Dienst, und München besitzt schon 43 Politessen. Der Stoßtrupp des Charmes soll bald noch vergrößert werden.

Der Chef der Münchener Polizei sagt: „Die Politessen haben nicht nur Geld zu kassieren, andere Aufgaben sind ebenso wichtig. Die jungen Damen sollen Touristen den Weg zeigen, Schulkinder über die Straße geleiten und auch imstande sein, eventuell über die Pinakothek und andere Sehenswürdigkeiten unserer Stadt Auskunft zu geben.“

Andernorts werden gebührenpflichtige Verwarnungen nicht von liebenswürdigen Mädchen erteilt. Man unterziehe sich der Mühe, einmal einen Parkuhrenkontrolleur in Hamburg zu begleiten. Er ist, wenn nicht Polizist, sicher ein ehemaliger Polizeibeamter – einer der 122 Helfer, die den läßlichen Sünden hanseatischer Wageninhaber auf der Spur sind.