Ortwin Kirchmayr: Die weißen Riesen. Verlag Fritz Molden, Wien, München. 352 Seiten, 23,50 DM.

Über die weißen Söldner, die für den kongolesischen Ministerpräsidenten Moishe Tschombe die „Rebellen“ im Nordwesten seines Landes bekämpften, ist in der Presse viel geschrieben worden. Man hat den Einsatz weißer Männer im Auftrage schwarzer Politiker getadelt. Man hat die weißen Landsknechte als „Verteidiger der Ordnung“ gegen die kommunistischen Drahtzieher der Rebellen gepriesen. Und man hat die Grausamkeiten der weißen Legionäre in Stanleyville angeprangert und kritisiert.

Ortwin Kirchmayr wertet nicht. Er verteidigt weder noch kritisiert er, sondern er schildert auf 352 Seiten das Leben der Männer, die im Kongo kämpften, nicht um ihr Vaterland zu verteidigen, sondern weil man sie dafür bezahlte. Er schildert es sehr genau, denn er hat es selber erlebt. Er ist selber in den Kongo gegangen, hat dort die Uniform der Söldner angezogen, erlebte die „Front“ und die „Etappe“ im Kampf gegen die „Simbas“, die schwarzen Gegner des kongolesischen Regierungschefs, und schrieb darüber einen Bericht.

Der Verlag nennt das Buch einen Roman. Es ist eher eine Reportage. Es ist auch als Reportage geschrieben in einem absichtlich schnoddrigen Stil. Der Autor ist dabei ein geschickter Schreiber. Er versteht es, Atmosphäre zu schaffen. Leider versteht er es auch, Mitgefühl für. die Männer zu wecken, die sich aus Abenteuerlust oder weil sie im bürgerlichen Leben scheiterten, zu diesem Handwerk verdingten. Die Absicht, dieses Mitgefühl zu schaffen, wird immer wieder deutlich, und da wird das Buch fatal. Es wirbt mit scheinbarer Objektivität für eine schlechte Sache. Die moderne Welt bietet genug Gelegenheiten für positive Abenteuer. Man muß nicht gerade weißer Söldner im Kongo werden.

P. Gr.