Eine Gesellschaft eigener Art, nämlich eine deutsche Kolonialgesellschaft, ist die Otavi Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft, Frankfurt, mit weitgestreuten Interessen in Südafrika. Seit die südafrikanische Regierung die im Krieg beschlagnahmten deutschen Vermögen freigab, sieht die Otavi-Bilanz wieder recht solide aus.

Vor Jahresfrist erwarb Otavi Schürfrechte für Diamanten-Vorkommen in Südafrika. Seit März dieses Jahres besitzt die Otavi-Diamonds (Pty.) Limited eine 70prozentige Tochter der zu Otavi-Minen gehörenden Otavi-MiningCo.(Pty.)Limited, ebenfalls eine Konzession von rund 364 000 Hektar. Auf einem etwa 80 Kilometer langen und 40 Kilometer breiten Streifen an der Atlantikküste sind die Prospektierungsarbeiten angelaufen.

Bis jetzt sind noch keine Diamanten gefunden worden, obwohl man guten Mutes ist, schürfwürdige Vorkommen zu entdecken. Dann gäbe es zum ersten Male eine deutsche Gesellschaft, die Diamanten fördert. „Ob wir sie über die größte Diamanten-Gesellschaft, die Anglo-American, verkaufen, wissen wir noch nicht, denn wir sind völlig unabhängig“ meint man selbstbewußt in der Frankfurter Verwaltung.

Rund ein Drittel der gesamten Aktiva, rund 7,8 Millionen Mark, hat die Gesellschaft in Südafrika liegen. Acht Tochtergesellschaften hat die Otavi-Mining Co. Neben der Suche nach den kostbaren Steinen wird Chamotte gewonnen und gebrannt. Inzwischen ist die Gesellschaft zum größten Exporteur feuerfester und keramischer Rohstoffe in Südafrika geworden.

Aber auch die deutschen Werke florieren. Im Gegensatz zu anderen Klinkerproduzenten sind die Otavi-Anlagen voll ausgelastet. Ebenso verläuft das Geschäft des Perlitwerkes, des Seltenmetall- und der Schiefertonwerke sowie der Ferrovanadin-Absatz zufriedenstellend. Auch der Auftragseingang ist gut. Die Aktionäre nehmen an dieser Entwicklung teil; sie erhalten zum drittenmal hintereinander eine erhöhte Dividende.

bo