Charles de Gaulle beschwor bei seinem Besuch in Kambodscha das Gespenst eines weltweiten Krieges, der von Vietnam seinen Ausgang nehmen könnte. Zur selben Zeit wurden in Washington Pläne bekannt, das amerikanische Expeditionskorps in Südvietnam von jetzt 300 000 auf 600 000 im nächsten Jahr zu vergrößern. Fast die Häfte dieser Truppen soll jedoch nicht kämpfen, sondern den zehn Millionen Bauern des Landes beim Wiederaufbau helfen. Dieser neuen Planung liegt die Einsicht zugrunde, daß der Kampf gegen die Vietcongs in erster Linie politisch und nicht militärisch geführt werden muß.

Allerdings soll gleichzeitig der Luftkrieg intensiviert werden. Die Jagdbomber sind immer noch die wirksamste Waffe im Kampf gegen größere Partisaneneinheiten, auch wenn gelegentlich – wie in der vorigen Woche – infolge der unklaren Abgrenzung der Fronten die eigenen Soldaten mit brennendem, Napalm übergössen werden.

Die Sowjetunion hat indessen angekündigt, daß der Luftkrieg über Nordvietnam künftig noch härter werden soll. In der Parteipresse wurden zum erstenmal Bilder von der Ausbildung vietnamesischer Piloten auf dem modernen MIG-21-Düsenjäger veröffentlicht.

Marschall Malinowski hat überdies angedeutet, daß die sowjetischen Flieger bereit seien, ihren vietnamesischen Brüdern im Kampf beizustehen. Aber bisher hat Nordvietnam das Angebot des Ostblocks, Freiwillige zu entsenden, noch nicht angenommen, wie man hört, aus Rücksicht auf China. Die Regierung in Hanoi müßte nämlich, schon aus Gründen nachbarlicher Höflichkeit, dann auch Freiwillige aus China akzeptieren. Die chinesische Regierung will jedoch ihre Truppen nicht Seite an Seite mit Soldaten aus der Sowjetunion kämpfen lassen.

Offensichtlich wollen Chinesen und Nordvietnamesen den Krieg mit den USA aus dem eigenen Menschenreservoir bestreiten. Pekings Außenminister Tschen Jr.; „Selbst wenn die größten Städte Chinas in Asche fallen sollten, werden wir die Herausforderung annehmen.“ Und wiederum kündigte er an; In diesem Falle werde der Krieg keine Grenzen kennen, das heißt, alle Länder, in denen die USA Stützpunkte unterhalten (Südkorea, Philippinen, Thailand) würden einbezogen.

In Thailand beginnt sich bereits jetzt eine neue Front abzuzeichnen. Der US-Botschafter bat dringend um die Entsendung von bemannten Hubschraubern, damit die Regierungstruppen im Kampf gegen die Partisanen im Nordosten des Landes bestehen können. Die von Peking untersützten Rebellen rühren sich auch im Süden in der Nähe der malaiischen Grenze, wo sie sich mit den Überresten der malaiischen Kommunisten zusammengetan haben. Die Amerikaner unterhalten zur Zeit bereits zwölf Jagdbomberstaffeln in Thailand, die von dort aus Einsätze gegen Nordvietnam und den „roten“ Teil von Laos fliegen. Die Zahl der Bodentruppen – Pionier- und logistische Einheiten – dürfte bis Jahresende von 25 000 auf 30 000 ansteigen.