Der Küstenartillerist des Zweiten Weltkrieges Edmund Rehwinkel ist sowohl in Schüssen vor den Bug wie in gezielten Salven geübt. Bislang hat er damit viel erreicht, gleichgültig, ob er dem Kanzler die Bauern als geschlossene Kerntruppe des Bürgertums für den nächsten Gang zur Wahlurne ans Herz legte oder ob er mit Käuferstreiks und Protestaufmärschen drohte.

Zur Zeit hält es der Bauernpräsident offenbar für wenig sinnvoll, die Bundesregierung direkt anzugreifen. Vielmehr wendet er sich an „einen großen Kreis von Abgeordneten des Bundestages und der Länderparlamente, an andere agrarpolitisch führende Persönlichkeiten und an behördliche Stellen“. Er vermeidet auch direkte Forderungen, sondern er stellt lediglich die Lage der Landwirtschaft so dar, wie er sie seit Jahren sieht.

Daß dabei nicht viel Gutes herauskommt, kann nicht überraschen. Nach Rehwinkel geht es der Landwirtschaft wieder einmal schlecht. Daß er aber so tut, als habe die Landwirtschaft mit den Anstrengungen, die Währung zu stabilisieren, nichts zu schaffen, weil sie an der „Konjunkturüberhitzung“ nicht schuld sei, vermag keineswegs einzuleuchten. Schließlich sind auch die Bauern via Brüssel nicht ganz unschuldig an dem Preisauftrieb der letzten Zeit; und sie sind auch Nutznießer der steigenden Masseneinkommen. Ihnen letzteres zu gönnen heißt aber nicht, dem Landwirtschaftsetat Narrenfreiheit zu geben. Auch er darf bei den Streichungen, die zum Ausgleich des Bundesetats unausweichlich sind, nicht tabu sein.

ss