Hormone sind mit Schaltern zu vergleichen, die die genetischen Maschinen an- und abstellen.“ So versucht Dr. Melvin Goldberg das Resultat seiner Experimente, die er zusammen mit Dr. William Atchley in San Franzisko durchgeführt hat, bildlich zu erklären.

Die beiden Forscher extrahierten aus den Kernen menschlicher Placentazellen die in den Chromosomen enthaltene Erbsubstanz DNS (Desoxyribonukleinsäure) und brachten diesen Extrakt jeweils mit einem Hormon in Verbindung. Dabei zeigte sich bei den meisten dieser Wirkstoffe – darunter die weiblichen Sexualhormone, das Stresshormon Cortisol, das Insulin, das Wachstumshormon und das Herz und Gefäße stimulierende Epinephrin – der gleiche Effekt: Die sogenannte Wasserstoff-Bindung zwischen den beiden Fäden der DNS-Moleküle wurde geringer.

Ein DNS-Molekül läßt sich mit einem Reißverschluß vergleichen. Es besteht aus zwei fadenförmigen Teilen, die längsseitig durch viele Kuppelungsglieder aneinandergefügt sind. Allerdings braucht das Molekül im Gegensatz zum Reißverschluß noch einen Klebstoff, der je zwei Bindeglieder zusammenhält. Dieser Klebstoff, die Wasserstoffbindung, wurde in dem Experiment von Goldberg und Atchley von den Hormonen offenbar an einigen Stellen unwirksam gemacht.

Im chemischen Aufbau der DNS-Moleküle sind die Pläne für die vielseitigen Produktionsaufgaben der Zelle verschlüsselt. Aber nur ein kleiner Teil der in einem DNS-Molekül vorhandenen Pläne wird zu bestimmten Zeiten freigegeben, der Rest bleibt unter Verschluß. Das heißt: Nur einige Abschnitte der Molekül-Fäden sind zeitweilig aktiv. Man nimmt an, daß die Aktivierung dieser Abschnitte dadurch erfolgt, daß an jenen Stellen der Reißverschluß geöffnet wird, also die Bindeglieder zwischen den beiden Fäden entkuppelt werden.

Die von Goldberg und Atchley entdeckte Verringerung der Bindung zwischen den beiden Molekülfäden durch den Einfluß der Hormone kann mithin so gedeutet werden: Das Hormon entkuppelt an bestimmten Stellen der DNS-Moleküle die Bindeglieder und ruft dort eine Aktivierung hervor. Die an diesen Stellen befindlichen Produktionspläne werden dadurch zur Ausführung freigegeben und von den Proteinfabriken der Zelle befolgt.

Die Fähigkeit der Hormone, die Synthese bestimmten Eiweißstoffe in der Zelle anzuregen, ließe sich in der Tat auf solche Weise gut klären. „Allerdings“, so betont Dr. Goldberg, „sind unsere Ergebnisse keineswegs eine Bestätigung für diese Hypothese. Sie können bestenfalls als Anregung für weitere Forschungsarbeiten in dieser Richtung dienen.“ – ow