„Vom Impressionismus zum Bauhaus“ (Hamburg, Kunstverein): Mit ihren 85 Gemälden will die Ausstellung über zweierlei informieren, über den Gang der europäischen Malerei von 1850 bis 1930 und über das private Bildersammeln in Deutschland. Alle Bilder kommen aus deutschem Privatbesitz, etwa fünfzig Sammler haben sich beteiligt.

In der Schweiz und in Frankreich, wo die reichsten modernen Kunstsammlungen beheimatet sind (wenn man von den nordamerikanischen Sammlern absieht), hat es solche öffentlichen Schaustellungen häufig gegeben. In Deutschland wird das zum erstenmal exemplifiziert von den Kunstvereinen in Frankfurt und in Hamburg, die damit beweisen wollen, „daß die sammlerischen Traditionen allen äußeren Widerständen zum Trotz in Deutschland lebendig sind“.

Die Mehrzahl der Sammlungen ist erst nach dem Kriege, zum größeren Teil erst in den letzten zehn Jahren entstanden. An die französischen Impressionisten war zu dieser Zeit kaum noch heranzukommen, sie sind relativ, schwach vertreten, Hervorragend, ist die Auswahl aus dem deutschen Expressionismus, ihm galt offenbar das besondere Interesse der deutschen Nachkriegssammler. Auch der „Blaue Reiter“ wird in sehr guten Beispielen gezeigt. Gelegentlich ergeben sich interessante Gruppierungen: Delaunay, Macke, Kupka. Am glücklichsten ist man vor den Bildern, die nicht zum musealen Standard gehören, die auf persönlichen Geschmack, auf Liebhaberei hinweisen: ein ungewöhnlich schöner Daumier („Der Müller, sein Sohn und der Esel“), ein Maurice Denis (der einzige Nabi), „Das Porträt der Marquise“ von Ensor, ein Hauptwerk von Henri Rousseau (Un centenaire de l’indépendance“), eine „Danae“ von dem neuerdings hochfavorisierten Egon Schiele oder das „Bachanal“ von Franz von Stuck, das vor 40 Jahren der Bremer Kunsthalle gehörte. – Die Ausstellung war vorher in Frankfurt, in Hamburg bleibt sie bis zum 16. Oktober.

Gottfried Sello