Von Dietrich Strothmann

Lüneburg, Ende August

Sonntag war’s, und die Heide hatte, so freute sich einer der Heideheimatfunktionäre, „ihr Hochzeitskleid angezogen“: blauer Himmel, weiße Wölkchen, grüne Kiefern, lila Erika. Und wer Hermann Löns ins Herz geschlossen hatte, war herbeigeeilt – im Sonntagsstaat die Herren, weißblusig und mit schmucken Jägerhütchen die Damen. Es waren nicht die Jüngsten mehr, die da sangen: „Ei du Hübsche, ei du Feine, Ei du Bild, wie Milch und Blut, Unsere Herzen wolln wir tauschen, Denn du glaubst nicht, wie das tut...“

Vom Löns-Denkmal auf dem Hügel bei Müden an der örtze drang es durch die Lautsprecher bis zum Parkplatz hinunter, wo die Fahrzeuge der Löns-Jünger zu Hauf standen: Symbole jener „Hetze“ und „Technik“, die von den Festrednern beklagt wurden. Am Waldesrand hatte rechtzeitig Müdens Freiwillige Feuerwehr mit roten Löschwagen Position bezogen. Es durfte nicht geraucht werden; ein Flächenbrand – so hieß es – müsse sonst befürchtet werden. Die Damen nickten zustimmend und stimmten zum Schluß aus vollen Kehlen mit ein: „.... Valleri, vallera, und juchheirassa, Bester Schatz, bester Schatz, Denn du weißt, du weißt es ja.“

Wer feiert Löns, den „Sehnsuchtsmenschen“, den „Lebenslauscher“, den „Vorwärtsseher“ am besten? Das war die Frage an diesem Spätsommersonntag. Lüneburg etwa, die mittelalterliche Heidemetropole? Dort war es zuvor im Stadtrat zum Streit gekommen. Mit nur einer Stimme Mehrheit hatten die Räte eine offizielle Gedenkstunde abgelehnt. Die Begründung der Löns-Gegner: Er sei nur einmal hier gewesen, auf dem Bahnhof, zwischen zwei Zügen. Überdies hätten Lüneburger Bürger – wenn schon, denn schon – auch Heinrich Heine feiern müssen, der hier sogar lange Zeit gewohnt habe.

Der Klageruf Albert Gevers’, des Landeswartes Nord vom Deutschen Kulturwerk, blieb ohne Echo: „Es tut not, dem Kulturnihilismus ein Halt zuzurufen. Ich bekenne mich öffentlich zu Hermann Löns, zu dem Dichter, der es verstand, Heimat in die Ewigkeit zu retten.“ Die Post indessen verstand sich nicht einmal dazu, dem Heidesänger, wie angeregt worden war, zum Gedenken einen Sonderstempel oder eine Sonderbriefmarke zu widmen. Und nicht einmal der sonntägliche Ausspruch des Lüneburger Oberhauptes Trebchen – „Dieser Tag geht in die Stadtgeschichte ein“ – konnte falsch verstanden werden. Er galt der Einweihung eines neuen Feuerwehr-Gerätehauses.

So mußten sich denn die Löns-Jünger an anderem Ort ihr Stelldichein geben. Löns-Denkmäler gibt es in der Heide genug: bei Müden einen Gedenkstein, den deutsche Jäger dort sieben Jahre nach dem Tod des Dichters, der bei einem Sturmangriff auf Reims fiel, aufstellten; bei Bevensen ein massiger Findling; den Bundeswehr-Pioniere unlängst auf ein Gräberfeld aus der Bronzezeit geschafft hatten; in Fallingbostel, wo Löns nach langen Irrwegen zur letzten Ruhe gebettet wurde; in Winsen an der Aller, in Osterode im Harz, in Herford im Westfälischen und auch anderswo noch.