Von Claus Bardtholdt

Passagierschiffe, ob nun im Stil internationaler Luxushotels oder mittleren Zuschnitts, wurden von den Seeleuten schon immer „Musikdampfer“ genannt. Diese Klassifizierung („im Grunde ist das ja keine Seefahrt für Männer“) könnte heute eher der Wirklichkeit entsprechen als früher, denn den kälte- und wetteranfälligen Zugvögeln gleich suchen die meisten „schwimmenden Hotels“ nur noch die Sonnenrouten.

Allerdings ist die leicht einschränkende Beurteilung eines international stetig wachsenden Geschäftes nicht nur auf die geistige Perspektive der Matrosen beschränkt; selbst ein Vorstandsmitglied der in der Passagierschiffahrt renommierten Hamburg-Amerika Linie mußte sich damals als „Matratzenverkäufer“ frozzeln lassen.

Spät, wenn auch längst nicht zu spät, haben die meisten Reeder erkannt, wie leicht sich in der jodangereicherten Schicht über den möglichst glatten Wogen Geld verdienen läßt.

Zählt man in der Welthandelsflotte nur diejenigen Schiffe zusammen, die hundert und mehr Passagiere befördern können, kommt man auf die stattliche Zahl von rund 580 Schiffen. Dabei sind allerdings Fährschiffe mitgezählt, auch Passagierschiffe in ausländischen Staaten, die für den Transport von Pilgern oder Saisonarbeitern gebaut wurden. Trotzdem, der größte Teil dieser annähernd 600 Schiffe lockt ein Publikum an, das in den großen Industrienationen den Kundenstamm aller Passagierschiffsreedereien bildet. Welchen Umfang das Geschäft mit Seereisen bereits angenommen hat, zeigt eine andere Zahl: 66 Operators, das sind Reedereien und Agenten, beschäftigen sich mit regulären Vergnügungsreisen kürzerer oder längerer Dauer, ebenfalls mit Reisen rund um die Welt.

Von britischen Häfen, in erster Linie Southampton, sind vom 1. August dieses Jahres bis Ende Juli 1967 mehr als 130 Abfahrten vorgesehen. Von nordamerikanischen Häfen, hier ist es fast ausschließlich New York, mehr als 70 Reisen, und zwar hauptsächlich von Oktober bis April. Danach treffen sich die großen Musikdampfer wieder auf dem (dann freundlicheren) Nordatlantik.

Von Mittelmeerhäfen sind mehr als 60 Abfahrten angezeigt, hiervon viele als kurzfristig wiederkehrende vor allem in griechischen Gewässern. Von skandinavischen und europäischen Häfen (Bergen, Le Havre, Rotterdam, Bordeaux und Bremerhaven) sind 13 Abfahrten vorgesehen, von Australien und Neuseeland acht, von Südamerika nur zwei.