Von Kurt Becker

Jawohl“, bricht es aus ihm. heraus. „Jawohl, einen Fehler habe ich begangen: schön längst Hätte ich den Inspekteur der Luftwaffe in Pension schicken müssen. Er war seiner Aufgabe nicht gewachsen! Das nehme ich auf mich, alle anderen Vorwürfe weise ich von mir.“

Herr von Hassel lehnt sich wieder zurück. Nur einen flüchtigen Augenblick auf, wallt die Erregung noch einmal in ihm auf, verhalten zwar, aber man spürt, daß nicht alles an ihm abgeprallt ist, was seit Tagen auf ihn einstürmt. Sonst aber verrät kein Gesichtszug, kein Schatten unter den Augen die Spuren durchgrübelten Nächte. Eher scheint es, als sei vom Bundesverteidigungsminister eine drückende Last gewichen, als hätte ihn die Führungskrise der Bundeswehr gleichsam als Antwort auf aufgeladen. forderung, mit frischer Spannkraft aufgeladen.

Für ihn, das sagt er nicht wörtlich, doch in jedem Satz schwingt es mit – für ihn ist der eigentliche Sturm schon vorüber. Die Tagung mit dem Führungskorps der Luftwaffe und die Zusammenkunft mit den führenden Generälen und Kommandeuren der Bundeswehr haben ihn wegen des undramatischen Verlaufs in diesem Gefühl bestärkt. Obwohl Hassel manches jüngst ausgesprochene Wort hoher Offiziere in der Öffentlichkeit, und zwar der Form wegen, nachdenklich gestimmt hat – eine behutsam sich formierende Generalsfronde gegen den politischen Oberbefehlshaber vermag er darin nicht einmal in vager Andeutung zu erblicken. Doch er setzt hinzu: „Ich werde nicht, mehr hinnehmen, daß Generale sich öffentlich äußern.“

Und politisch? Daß es im Parlament noch hoch hergehen wird, zunächst im Verteidigungsausschuß, ist leicht vorauszusagen. Der Minister glaubt jedoch, den Kanzler auf seiner Seite zu wissen. Das Rumoren selbst in der eigenen Partei irritiert ihn nicht. Tatsächlich hat Hassels entschlossenes Handeln in den Fällen Trettner und Panitzki die Räson auf seiner Seite gehabt und deshalb die Unterstützung aller Politiker gefunden. Auch dies mag mit dazu beigetragen haben, daß die in der letzten Woche aufgeworfene Problematik sich in Hassels Perspektive auf die Luftwaffe verengt, auf die Folgen des Zusammenstoßes mit Panitzki und die Starfighter-Affäre.

Den Rücktritt des Generalinspekteurs Trettner betrachtet der Minister völlig isoliert und ganz gelöst vom Fall Panitzki. Er sagt: „Mein persönliches Verhältnis zu Trettner war eigentlich immer gut. Allerdings hatten. wir zwei grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten: wegen des Ranges, den der Generalinspekteur neben dem Staatssekretär einzunehmen wünschte, und wegen der Stellvertretung des Ministers als Oberbefehlshaber.“ Den anstößigen Gewerkschaftserlaß des Ministeriums, den Trettner als Anlaß zum Rücktritt gewählt hatte, ordnet Hassel nur als Formfrage ein – nicht als Ursache.

Eine Trennung von Trettner hatte Hassel nicht erwogen. Aber er fühlt sich befreit. Er ist. aufs höchste angetan von der neuen Führungsspitze. Er sieht in ihr eine glanzvolle Repräsentation der Generalselite. Ein Urteil, das auch von den Skeptikern und Kritikern des Ministers geteilt wird. Der Generalinspekteur de Maizière, der Heeresinspekteur Moll und der designierte Luftwaffeninspekteur Steinhoff geben Hassel das Gefühl, daß er einen glücklichen Ausweg aus einer beispiellosen Krise gefunden hat. Die von den Namen der Generale ausgehende Faszination und ihr Prestige verführen den Minister vielleicht sogar dazu, seine Entscheidung für die drei Generale schon mit der Bewältigung der zu lösenden Probleme gleichzusetzen.