Die Fremdenlegion, seit dem Algerienkrieg zum langweiligen Garnisonsdienst verurteilt, durfte endlich wieder antreten: In Dschibuti, der Hauptstadt von Französisch-Somaliland, mußte sie Präsident de Gaulle vor dem Aufruhr afrikanischer Massen beschützen. Was der Beginn einer neuen triumphalen Weltreise werden sollte, wurde für den General zu einem demütigenden Spießrutenlaufen. Aufgebrachte Somalis schwenkten und schrien ihm Freiheitsparolen entgegen: „Franzosen, geht nach Hause!“

De Gaulle tat die Demonstranten mit dem Satz ab: „Die Zukunft von Staaten wird nicht von Plakaten bestimmt.“ Frankreich werde eine Sinneswandlung der Eingeborenen respektieren, wenn sie das Ergebnis eines normalen demokratischen Prozesses sei. 1958 noch hatten sich die Einwohner dieser letzten französischen Besitzung (genannt: „Überseeprovinz“) in Afrika für das Verbleiben bei Frankreich entschieden. Ironischerweise ist der Oppositionsführer, Moussa Ahmed Indriss, Abgeordneter der gaullistischen UNR in der Nationalversammlung. Er drückte de Gaulle beim Empfang auf dem Flughafen die Hand und wanderte einen Tag später als einer der Demonstrationsführer ins Gefängnis.

Zwei Stämme – die Afar und die Issa – beherrschen das Land. Während die Issa von der Wiedervereinigung mit ihren muslimischen Stammesbrüdern in Somalia träumen, tendieren die Afar, die in der Regierung sitzen, zum christlichen Kaiserreich Äthiopien. Frankreich kann vorerst gegenüber den äthiopischsomalischen Ansprüchen auf Dschibuti gelassen bleiben, da sich beide gegenseitig aufheben. Außerdem profitiert es von dem äthiopisch-somalischen Gegensatz.

Somalia fordert von Äthiopien und Kenia große, zum Teil wüste Ländereien, die von nomadisierenden Somalis bewohnt werden. Seine Streitkräfte werden von der Sowjetunion ausgerüstet und ausgebildet; 150 MIG 17 und 100 T 34 sind eine Gefahr, die von den Nachbarn ernst genommen werden muß. Außer Frankreich sind auch die anderen Westmächte in die Wirrungen am Horn von Afrika verstrickt: Die USA bewaffnen die Äthiopier, und die Engländer veranstalten gemeinsame Manöver mit der Armee des Commonwealth-Staates Kenia.

Die jüngsten Unruhen in Dschibuti werden freilich von den Franzosen nicht allein den Somalis zur Last gelegt. De Gaulle sprach dunkel davon, diese Vorfälle seien vielleicht „nicht, völlig von den Aspekten zu trennen, derentwegen er in Pnom Penh haltmache“ (wo er die Vietnam-Politik der USA brandmarken wollte). Die Demonstranten im somalischen Berbera schienen ihm mit ihren Losungen recht zu geben: „Gebt uns amerikanische Waffen, und wir werden Dschibuti befreien!“