Über die Investitionen der amerikanischen Wirtschaft in Deutschland sind in der letzten Zeit mitunter Schätzzahlen genannt worden, die offensichtlich das Gruseln lehren sollen. Unter Hinweis auf die steigenden Beteiligungen an deutschen Firmen und auf deren völlige Übernahme wird die Überfremdungsgefahr an die Wand gemalt.

Die Nettoinvestitionen amerikanischer Firmen in Deutschland sind zwischen 1962 und 1965 von 680 Millionen auf 1,06 Milliarden Mark gestiegen. Ihr Anteil an den Nettoinvestitionen der deutschen Wirtschaft (ohne Wohnungsbau) hat damit in diesen vier Jahren von 2,2 auf 2,8 Prozent zugenommen. Das sind gewiß keine erschütternden Zahlen. Aber manches deutsche Unternehmen spürt es natürlich am eigenen Leibe, wenn sich ein potenter Wettbewerber aus Amerika in den Kampf um den Markt einschaltet. Abgesehen von der Mineralöl-Wirtschaft, in der amerikanische Firmen von jeher eine starke Stellung hatten, ist Kapital aus den USA vor allem im Fahrzeug- und Maschinenbau und in der chemischen Industrie investiert worden.

Wer den internationalen Wettbewerb und die Freiheit des Kapitalverkehrs über die Grenzen bejaht, kann diese Entwicklung nicht hemmen wollen. Sollten etwa in Bonn solche Überlegungen angestellt werden, dann gehen sie genau in die falsche Richtung. Eine Verflechtung der deutschen und der amerikanischen Wirtschaft ist durchaus erwünscht. Wenn diese bisher recht einseitig war, dann hat das seine Gründe. Leider kann nicht behauptet werden, daß von unserer Wirtschafts-, Währungs- und Steuerpolitik alles getan worden ist, um der deutschen Wirtschaft Investitionen in den USA zu erleichtern. ehk