Theodor Eschenburg: Zur politischen Praxis in der Bundesrepublik. Kritische Betrachtungen 1961-1965. Band II; Piper Verlag, München; 10,80 DM.

Die meisten Aufsätze dieses Buches sind den Lesern der „Zeit“ schon aus dieser Wochenzeitung bekannt. Doch ist die Sammlung ergänzt worden durch den Text von Vorträgen, die Eschenburg im Rundfunk oder vor Instituten und Verbänden gehalten hat. Eschenburg bezeichnet sich im Vorwort als „einen leidenschaftlichen Amateur des öffentlichen Rechts“. Er ist also kein gelernter Staatsrechtler; da er seine Passion für den „Umgang mit dem Grundgesetz“ aber mit hoher Genauigkeit vereinigt und da er die wechselnden Erscheinungen des öffentlichen Lebens gern wissenschaftlich durchdringt, werden seine Anschauungen überall stark beachtet und tragen zur Klärung von Zweifeln und Problemen bei.

Wir werden über die Frage belehrt, ob es einen Vorrang der Beamten vor den Offizieren im Verteidigungsministerium gebe, ob man parlamentarische Staatssekretäre und Staatsminister ernennen solle. Ist der Vizekanzler ein Nebenkanzler? Ist es nicht ein Vorzug, daß heute auch die Unpolitischen anhaltend wählen? Werden wir richtig informiert? Ist Berlin ein Teil der Bundesrepublik? Verhält sich der Bundespräsident richtig? Über diese und zahlreiche andere Fragen plaudert Eschenburg, immer klar, immer gründlich, immer anregend. G. G.