Stimmt da etwas nicht? Wurde an dem Ding gedreht? Zum drittenmal erscheint das Buch „Kästner für Erwachsene“ auf unserer Liste, zum zweitenmal an erster Stelle: während es auf der doch viel umfangreicheren, nämlich zweimal zehn Titel zählenden Liste des Instituts für Demoskopie Allensbach, die der Spiegel Woche für Woche veröffentlicht, überhaupt noch nicht in Erscheinung trat. Oder um nicht lange herumzureden und die argwöhnischen Mutmaßungen, die einem da kommen können, gleich beim Schopf zu nehmen: Haben wir, haben die fünfzehn Großstadtsortimenter, auf deren Angaben unsere Liste beruht, dem Kästner-Buch künstlich nachgeholfen, um ihm einen günstigen Platz zu sichern? Vielleicht darum, weil sein Herausgeber Feuilletonchef der ZEIT ist?

Es hat alles seine Richtigkeit. Wir haben die Probe gemacht. Genau in Erfahrung zu bringen, wieviele Exemplare eines Buches im Laufe eines Monats verkauft wurden, das allerdings wäre nur möglich, wenn sämtliche deutsche Buchhandlungen, rund viertausend, befragt würden – das heißt, es ist unmöglich; ganz abgesehen davon, daß eine solche Befragungsaktion sinnlos wäre, weil die Mehrzahl der Buchhandlungen keine ausreichend genauen Statistiken führt, um zuverlässige Auskünfte dieser Art geben zu können.

Wir haben darum einen anderen, den einzig praktikablen Weg eingeschlagen, unsere Liste zu überprüfen: Wir haben uns von den Verlagen der auf unserer Liste erscheinenden Bücher die Höhe der bisher ausgelieferten Auflage und den Erscheinungstermin nennen lassen und ausgerechnet, wieviel Exemplare eines Titels durchschnittlich während eines Monats verkauft wurden. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, besonders bei den Büchern, die schon seit längerer Zeit auf dem Markt sind, daß sie ungleichmäßig stark verkauft wurden, im einen Monat sehr viel, im anderen weniger; der errechnete Mittelwert ist also nicht ohne weiteres gleichzusetzen mit der tatsächlichen Verkaufszahl für den vergangenen Monat, die nicht genau zu ermitteln ist; dennoch ist das Ergebnis beweiskräftig genug.

„Kästner für Erwachsene“ erschien Mitte Juni; bisher wurden 50 000 Exemplare ausgeliefert. Das ergibt ein Monatsmittel von 20 000.

„Dr. X“ erschien Anfang Juli: Höhe der ausgelieferten Auflage: 40 000. Monatsmittel: ebenfalls 20 000.

Karl Jaspers’ „Wohin treibt die Bundesrepublik?“ erschien Anfang April; Höhe der ausgelieferten Auflage: 66 000. Monatsmittel: 13 200.

Truman Capotes „Kaltblütig“ erschien Mitte Mai; Auflagenhöhe: 30 000. Monatsmittel: 8 600.