Von Eckart Kroneberg

Zu Beginn der sechziger Jahre erregte in der Bundesrepublik (und darüber hinaus) ein Buch erhebliches Aufsehen, das sich eines in der modernen Literatur unüblichen Themas annimmt. Über den literarischen Wert dieses Buches wurde wenig gestritten: Die offiziöse Kritik war sich mehr oder weniger einig, daß es ein schlechtes Buch sei und eine sorgsame Analyse sich sonach nicht lohne.

Das ästhetische Verdikt bedeutet für ein Buch noch immer ein Todesurteil – jedenfalls in den Augen der professionellen Kritiker. Nun, Buch und Autor haben jenes Verdikt überlebt und sind sogar lebendiger denn zuvor – wir werden sehen.

Das Buch heißt „Irrlicht und Feuer“, der Autor Max von der Grün, und das Thema kann aufs erste grob umrissen werden mit dem Slogan „Welt der Arbeit“.

Walter Jens war es, der gesagt hat, das, was man moderne Literatur nenne, beschreibe den Menschen lediglich im Zustand des ewigen Feierabends. Jürgen Fohrmann, der Held von „Irrlicht und Feuer“, berichtet in der ersten Person Singular vor allem über seine Arbeit.

Er ist Ruhrkumpel, wenigstens zunächst noch. Sein Lebensgefühl ist mit dem Wort Unbehagen hinreichend umschrieben. Er hat Ärger mit der Arbeit, Sorgen mit den Nachbarn und Streit mit der eigenen Frau, die keine Kinder will, dafür aber, gegen Fohrmanns Willen, in der Fabrik arbeitet, um sich endlich all jene Geräte kaufen zu können (auf Raten, selbstverständlich), die nicht nur unter Arbeitern als Symbole des Wohlstandes und eines gehobenen Lebens gelten.

Fohrmann ist ein Unruhestifter. Nein, kein „Organisierter“, einfach so: ein Mann, der sich Gedanken macht und die Gedanken von sich gibt, auch wenn sie noch unklar und ungeordnet sind.