Von Walther Weber

Unser Ziel ist es, daß niemand mehr in den Urlaub fliegt, ohne unsere Reiseprospekte in Händen gehalten zu haben.“ Als der Mitinhaber des zweitgrößten deutschen Versandhauses, Peter Neckermann, mit diesen Worten das neue Winter-Reise-Programm vorstellte, erhob sich kein Widerspruch. Das über alle Erwartungen erfolgreiche Jahr der Neckermann und Urlaubsreisen (NUR) läßt auch diese Hoffnungen nicht utopisch erscheinen. Wenn die Gesellschaft Ende Oktober die Bücher schließt, wird sie mit über sieben Millionen Prospekten in den dann vergangenen zwölf Monaten 127 000 Flugreisende angelockt haben (im Vorjahr 70 000). Noch schneller als die Zahl der Touristen (um gut 80 Prozent) ist der Umsatz gestiegen: Er hat sich auf 70 Millionen Mark verdoppelt.

Damit haben Neckermann’s Reisestrategen geschafft, was ihnen seit Beginn ihres Reisegeschäftes vorschwebte: Sie sind Erster unter den Großen der Lufttouristik. Nachdem im vergangenen Jahr die traditionsreiche Touropa überflügelt wurde, mußte nun auch Scharnow NUR an sich vorüberfliegen lassen. Denn die beiden konventionellen Gesellschaften werden in diesem Jahr ihre hochgesteckten Ziele nicht erreichen. Statt der erwarteten 130 000 Flugurlauber dürften bis Ende Oktober nur etwa 90 000 in Scharnow-Flugzeuge geklettert sein. Und statt der erhofften 105 000 wird Touropa etwa 85 000 Personen auf dem Luftweg befördert haben. Bei beiden Unternehmen erreichte das Wachstum mit gut 30 Prozent etwa den erwarteten Durchschnitt der Branche. Kein Wunder, daß das Versandhaus Quelle des Konsuls Dr. Schickedanz dichter zur Spitzengruppe aufschließen konnte. Mit einer geschätzten Erhöhung der Flugreisenden von 47 000 auf etwa 82 000 sind die Fürther den konventionellen Veranstaltern schon sehr nahegekommen.

Aus den viel kritisierten Außenseitern der vergangenen Jahre sind ernstzunehmende Fachkonkurrenten geworden, die mit rund 209 000 Flugurlaubern bereits ein größeres Marktgewicht als Touropa und Scharnow mit etwa 175 000 Passagieren besitzen.

Auch im Hinblick auf neue Reiseziele entwickeln Neckermann und Quelle sich zu Schrittmachern. Dabei sind sie im Begriff, eines der Geheimnisse ihres Erfolges aufzugeben. Die Konzentration auf nur wenige Reiseziele wird durch ein vielfältigeres Angebot ersetzt. Zwar offerierten Scharnow, Touropa, Dr. Tigges, Hummel und Transeuropa im Sommer noch ein gestaffelteres Programm, doch im bevorstehenden Winter landen Neckermann-Flugurlauber bereits in mehr Ländern als Scharnow-Gäste.

Während Scharnow in diesem Winter mit Kanarischen Inseln, Andalusien, Mallorca, Tunesien und Ostafrika fünf Ziele anpreist (der Libanon und die portugiesischen Atlantikinseln fehlen), hat Neckermann sein Standard-Winterprogramm auf sieben Ziele erweitert. Unverändert werden die Flüge nach Ägypten, Teneriffa, Mallorca und Tunesien fortgeführt. Dem vierzehntägigen Ski-Flug-Urlaub in den rumänischen Karpaten (zu 435 Mark) werden Winterferien in der Slowakei (Hohe Tatra) für 399 Mark an die Seite gestellt. Im Herbst und im Frühling werden „wegen der großen Nachfrage“ die Moskau- und Leningradreise ab 969 Mark (für vierzehn Tage) durchgeführt. Lediglich die Libanonflüge werden ab November für drei Monate wegen der geringen Nachfrage in dieser Jahreszeit ausgesetzt, nachdem in der „Schweiz des Ostens“ über zwanzig Monate hindurch regelmäßig Touristen gelandet wurden.

Auch Quelle erweitert das kleine Winterprogramm (Kanarische Inseln und Mallorca) durch einen Winterurlaub in den Karpaten, der auf die Mark genau wie bei NUR ab 435 Mark gebucht werden kann, allerdings mit einer kleinen Zugabe. Quelle verspricht den Skiurlaubern eine kostenlose Arztbehandlung ...