Nach Erich Engel und Erwin Piscator hat das deutsche Theater in diesem Jahr einen dritten großen Regisseur und Darsteller verloren: Wolfgang Langhoff, der von 1948 bis 1963 Intendant des seit Max Reinhardts Tagen ruhmreichen Deutschen Theaters in Berlin (Ost) war, starb am 25. August. Als sehr junger Schauspieler hatte er eine Aufführung von Tschechows „Kirschgarten“ durch das Moskauer Ensemble gesehen; fortan blieb er der Regiekunst Stanislawskis treu. Das mag ihm seine Anhänglichkeit an den Kommunismus – während des Dritten Reiches und nach 1945 – erleichtert haben. Das verhinderte aber auch die Anerkennung durch die Partei, die Langhoff als „bürgerlichen Kunstgeschmack“ auslegte, was Pflege der naturalistischen Theatertradition war. Was den Funktionären bei Brecht nicht gelang, dessen internationale Berühmtheit ihn vor Belästigungen weitgehend schützte, das betrieben sie um so erfolgreicher bei seinem natürlichen Antipoden: Sie zwangen Langhoff immer wieder zu beschämender Selbstkritik – so 1950, als man ihm im Zusammenhang mit der Noel-Field-Affäre sämtliche Parteifunktionen nahm; so 1959, als er wegen seiner Spielplangestaltung angegriffen wurde und seinen Chefdramaturgen Heinar Kipphardt gehen lassen mußte; so schließlich 1963, als seine hartnäckige Vorliebe für Peter Hacks und dessen Stück „Die Sorgen und die Macht“ ihm die Ablösung auf dem Intendantenstuhl einbrachte. Nicht mangelnde Treue zum Kommunismus, sondern die Forderung, daß auch kommunistische Stücke Qualität haben müßten, brachte Wolfgang Langhoff in Widerspruch zu den Mächtigen. H. S.