Das Gebiet des Sittlichen ist weit, es umfaßt auch das Unsittliche. Thomas Mann

Autorennöte

Eine stille kleine Sensation findet demnächst auf dem englischen Buchmarkt statt: J. B. Priestleys neuer Roman „Salt is leaving“ wird, unter Umgehung aller ungeschriebenen verlegerischen Gesetze, direkt als Paperback herauskommen. Bisher galt immer die Geschäft und Ansehen der verschiedenen Partner wohlabwägende Regel, daß zunächst das „richtige“ Buch erschienen sein mußte und dann erst Verleger, Zweitverleger und Autor sich auch in das nicht uneinträgliche Geschäft mit der Masse einließen. Priestley selber allerdings hat für diese auf den Kopf gestellte Reihenfolge eine sehr menschliche Erklärung parat. „Es ist nur eine Frage der Einteilung“, sagte er. „Ich bin fast 72, aber immer noch sehr produktiv. Nächstes Jahr werde ich schon wieder andere Bücher fertig haben, und so wollte ich dieses Buch schnell veröffentlicht und den Fall erledigt sehen.“ Einem solchen Alterssegen ist allerdings ein Verleger allein kaum gewachsen.

Andersen-Medaille 1966

In Zürich verlieh die Jury des „Internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch“ die höchste internationale Auszeichnung für jugendliterarisches Schaffen an die finnische Malerin und Autorin Tove Jansson. Der Preiszuspruch erfolgte gegen erhebliche Konkurrenz: Als Favoriten galten Brian Wildsmith (Großbritannien), Rainer Zimnik (Deutschland) und Jiří Trnka (Tschechoslowakei). Tove Jansson wurde am 9. 8. 1914 in Helsingfors geboren. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie an den Kunstgewerbeschulen in Helsingfors, Stockholm und auf Studienreisen in Deutschland, Frankreich und Italien. Internationale Anerkennung fand sie mit ihren Phantasiegestalten, die sich um eine Hauptfigur „Mumin“ gruppieren, einen rundlichen, sympathischen Troll. Tove Jansson hat in Deutschland bisher aus mancherlei Gründen eine Randstellung eingenommen. Ihre sehr kindgemäßen Geschichten sind zwar voller Einfallsreichtums doch haben sie nicht die klassische Höhe verwandter Erzählungen von Milne („Winnie the Poh“) oder Grahams („The Wind in the Willows“) erreicht. Der künstlerischen Anerkennung stand zudem im Wege, daß viele ihrer Geschichten in Tageszeitungen als „Comic Strips“ erschienen. Im Benziger Verlag (Zürich) erschienen von Tove Jansson: „Komet im Mumintal“, „Muminvaters wildbewegte Jugend“ und, in diesen Tagen, „Geschichten aus den Mumintal“.

Rekordmesse

Der Welt größte Buchausstellung, die Frankfurter Buchmesse, wird sich, wie üblich, auch in diesem Jahr wieder selbst überbieten: 2499 Aussteller aus 39 Ländern werden vom 22. bis 27. September etwa 180 000 Titel ausstellen; im vorigen Jahr waren es 2383 Aussteller aus 38 Ländern mit rund 150 000 Titeln. Nicht beteiligen sich Rotchina, Albanien, Nordkorea, Bulgarien und die beiden Vietnams. Dagegen werden 43 DDR-Verlage erwartet, sechs mehr als im Vorjahr. Stolz steigen die Zahlen – und im gleichen Maße sinken die Chancen, daß von den Gegenständen der Aufregung, den Büchern, überhaupt noch Notiz genommen wird.